Klingt verrückt, könnte aber bald Realität sein: Strom wird so reichlich produziert, dass du ihn zu bestimmten Zeiten fast geschenkt bekommst. In Europa sorgt der Boom bei Solar- und Windenergie nämlich zunehmend für ein neues (Luxus-)Problem - es gibt zu viel Strom.
Fakt ist: Die europäischen Netze kommen mit der Menge an Strom nicht mehr mit. Wenn Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen, drohen gefährliche Instabilitäten im Netz. Deshalb werden Betreiber - in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien - teils sogar bezahlt, Anlagen abzuschalten.
Jetzt denkt man um. Statt Energie wegzuwerfen, sollen Haushalte gezielt zum Verbrauch animiert werden. In Großbritannien wird bereits ein Modell getestet: Wer an besonders sonnigen oder windigen Tagen Strom nutzt, könnte dafür Rabatte bekommen - oder sogar Geld auf die Hand.
Ein Vergleich: Im Jahr 2025 wurden in Großbritannien rekordverdächtige 44 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt, verglichen mit nur 3 Prozent im Jahr 2000.
Das Ziel der Aktion: Die Bürger sollen Waschmaschine, Geschirrspüler oder E-Auto genau dann laufen lassen oder aufladen, wenn (zu) viel Strom im Netz ist. "Verbraucher könnten echte Schnäppchen machen, wenn sie Geräte an sonnigen Tagen einschalten", heißt es von Energieexperten.
Schon jetzt gibt es flexible Stromtarife, bei denen du außerhalb der Spitzenzeiten weniger zahlst. Künftig könnten diese Modelle noch deutlich attraktiver werden.
Variable Stromtarife animieren Haushalte bereits dazu, Strom in Zeiten geringer Nachfrage zu nutzen, indem sie die Kosten außerhalb der Spitzenzeiten senken. Künftig könnten Anreize wie Rabatte oder Direktzahlungen für die Nutzung von Energie in Zeiten hohen Angebots geschaffen werden.
"Verbraucher könnten ein echtes Schnäppchen machen, wenn sie die Waschmaschine an einem sonnigen Tag einschalten", sagt Jess Ralston von der britischen Non-Profit-Organisation Energy & Climate Intelligence Unit.
Der Hintergrund ist klar: Europas Stromnetze sind noch auf gleichmäßige Versorgung aus Kohle- und Gaskraftwerken ausgelegt. Mit der schwankenden Produktion von Solar- und Windenergie stoßen sie an ihre Grenzen.
Schlusspunkt: Die Sonne scheint - und deine Stromrechnung sinkt. So einfach könnte die Energieversorgung künftig funktionieren.