Die deutsche Content Creatorin Silvi Carlsson spricht mit einem Video vielen Frauen aus der Seele. Die 34-Jährige erzählt darin, dass sie sich mit gesundheitlichen Beschwerden jahrelang von Ärzten nicht ernst genommen gefühlt habe.
Dann änderte sie bei einem Arzttermin ihre Strategie. Obwohl sie derzeit gar keine Kinder möchte, gab sie an, einen Kinderwunsch zu haben.
Die Reaktion habe sie überrascht: Plötzlich seien weitere Blutwerte untersucht, ihre Beschwerden genauer abgeklärt und eine Überweisung an eine Fachärztin ausgestellt worden.
„Ich dachte, ich muss einfach nur den richtigen Arzt oder die richtige Ärztin finden. Dabei muss ich einfach nur meine potenzielle Gebärwilligkeit beweisen“Ernüchterndes Fazit von Silvinach jahrelanger Ärzte-Tortur
Carlsson leidet unter anderem an Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Schilddrüse angreift. Dadurch kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen.
Mögliche Beschwerden sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und Veränderungen des Zyklus. Auch Probleme bei einem Kinderwunsch können auftreten.
Laut Carlsson habe sie sich mit ihren Beschwerden lange nicht ausreichend gehört gefühlt. Nachdem sie einen Kinderwunsch erwähnt habe, sei ihr sogar gesagt worden: "Da müssen Sie sich aber jetzt mal sputen."
Unter Carlssons Video häufen sich Berichte von Frauen, die nach eigenen Angaben Ähnliches erlebt haben. Eine Nutzerin schreibt etwa, ihre Eisenwerte seien trotz Beschwerden jahrelang nicht untersucht worden. Erst nachdem sie von einem unerfüllten Kinderwunsch erzählt habe, seien weitere Untersuchungen erfolgt.
Andere berichten von Endometriose, dem polyzystischen Ovarialsyndrom oder jahrelang nicht abgeklärten Beschwerden.
Eine Frau behauptet sogar, aus Verzweiflung einen Kinderwunsch erfunden zu haben. Danach habe sie Blut- und Hormonuntersuchungen sowie mehrere Überweisungen bekommen. Carlsson überrascht die Flut an Reaktionen nicht. Die vielen Geschichten hätten sie dennoch berührt.
In den Kommentaren wird Carlssons Erfahrung teilweise bereits als vermeintlicher "Trick" weitergegeben. Manche Nutzer kündigen an, es bei ihrem nächsten Arztbesuch ebenfalls versuchen zu wollen.
Doch genau davon distanziert sich Carlsson. Sie habe nicht dazu aufgerufen, einen Kinderwunsch vorzutäuschen, sondern lediglich ihre persönliche Erfahrung geschildert.
Eine Ärztin habe ihr in einem persönlichen Schreiben sogar vorgeworfen, "Misstrauen in die Medizin" zu schüren und unnötig Angst zu machen.
Tatsächlich kann ein Kinderwunsch beeinflussen, welche Untersuchungen medizinisch sinnvoll sind. Bei einer geplanten Schwangerschaft werden zusätzliche Faktoren wichtig, etwa der Eisprung, bestimmte Hormonwerte, der Impfschutz, Eisenwerte oder verwendete Medikamente.
Eine Gynäkologin erklärt deshalb, dass es von außen tatsächlich so wirken könne, als werde bei einem Kinderwunsch plötzlich deutlich mehr untersucht.
Gleichzeitig seien Beschwerden von Frauen in der Medizin über lange Zeit unterschätzt worden. Gerade bei Erkrankungen wie Endometriose kann es noch immer Jahre dauern, bis die richtige Diagnose gestellt wird.
Auch die Kostenübernahme kann eine Rolle spielen. Bei einem Kinderwunsch besteht für bestimmte Untersuchungen eine konkrete medizinische Begründung. Das bedeutet allerdings nicht, dass andere Beschwerden ohne Kinderwunsch nicht abgeklärt werden müssen.
Carlsson sieht deshalb ein grundsätzliches Problem. Ärzte müssten Beschwerden ernst nehmen, genauer zuhören und eigene Vorannahmen hinterfragen.
Ein erfundener Kinderwunsch soll laut Carlsson kein "Lifehack" sein - ihre Geschichte zeigt für sie vielmehr, wie unterschiedlich sich Patienten im Gesundheitssystem behandelt fühlen können.