Ein Spaziergang endete für eine 67-jährige Frau in Osttirol tödlich. Am 17. Mai wurde sie gemeinsam mit ihrem Ehemann (65) in Oberlienz von einer Kuhherde angegriffen. Die Frau starb noch an der Unfallstelle, ihr Mann wurde schwer verletzt. Jetzt, knapp sechs Monate nach der Tragödie, steht fest: Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat sämtliche Ermittlungen eingestellt.
Ermittelt worden war wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung und der grob fahrlässigen Körperverletzung. Doch Hinweise auf ein strafbares Verhalten fanden die Ermittler nicht.
"Es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass die Kühe nicht richtig gehalten wurden oder dass es bereits zuvor Vorfälle gegeben hat, die eine besondere Vorsicht bei der Haltung der Tiere indiziert hätten", erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr laut der "Kleinen Zeitung".
Auch Warnhinweise waren laut Staatsanwaltschaft vorhanden. "Es waren auch ausreichende Beschilderungen mit den Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh angebracht", betonte Mayr. Damit ist der Fall strafrechtlich abgeschlossen. Mögliche Schmerzensgeldforderungen von Verletzten oder Hinterbliebenen müssten auf dem Zivilrechtsweg eingeklagt werden.
Die tödliche Attacke ereignete sich nicht auf einer Alm, sondern in einem beliebten Naherholungsgebiet im Tal. Der Weg ist auch Teil des bekannten Iseltrails. Zum Unfallzeitpunkt war das Gebiet frei zugänglich.
An diesem Tag griffen die Kühe gleich mehrere Menschen an. Zunächst wurde ein Mann von den Tieren umgestoßen und erlitt mehrere Rippenbrüche. Danach wurden ein Lienzer Tierarzt und seine Frau von einem Tier attackiert. Beide blieben unverletzt. Schließlich traf es die 67-Jährige und ihren Mann. Laut Zeugen befanden sich damals 40 bis 50 Kühe auf der Weide. Die Frau überlebte den Angriff nicht.
Was die Tiere an diesem Tag so aggressiv machte, ist bis heute ungeklärt. Oberlienz-Bürgermeister Markus Stotter (ÖVP) berichtete von den Beobachtungen eines Joggers.
"Ein Jogger hat mir erzählt, dass die Tiere total ruhig waren, als er an ihnen vorbeigelaufen ist, und wenig später, als er zurückgelaufen ist, seien die Kühe voll aufgescheucht gewesen", schilderte Stotter. "Irgendwas muss gewesen sein."
Hinweise auf ein Fehlverhalten der angegriffenen Spaziergänger gibt es nicht. Keiner der Betroffenen hatte einen Hund dabei. Zuvor soll allerdings eine Person mit Hund gesehen worden sein. Ob dieser die Herde aufgeschreckt haben könnte, ist unklar.
Nach der tödlichen Attacke wurde der betroffene Wegabschnitt gesperrt. Spaziergänger wurden auf den Radweg umgeleitet. Ein Teil der Kuhherde wurde zudem eingezäunt.
Für das kommende Jahr werden weitere Maßnahmen geprüft. Laut Bürgermeister stehen drei Varianten zur Diskussion, um künftig ähnliche Vorfälle zu verhindern. Die Kühe befinden sich jedes Jahr im Frühjahr und Herbst jeweils fünf bis sechs Wochen in dem betroffenen Gebiet. Eine Lösung soll im nächsten Jahr umgesetzt werden.