Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen: In all diesen Bereichen leisten Frauen deutlich mehr als Männer. Im Schnitt kommen Frauen auf 29,5 Stunden unbezahlte Sorgearbeit pro Woche, Männer nur auf 20,4 Stunden. Das ergibt eine Lücke von gut neun Stunden.
Zählt man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen, kommen Männer auf rund 44 Wochenstunden, Frauen auf 45. Der Unterschied: Männer verwenden knapp die Hälfte ihrer Arbeitszeit auf unbezahlte Tätigkeiten, Frauen fast zwei Drittel. Daraus ergibt sich der sogenannte Gender-Care-Gap von rund 43 Prozent.
Wie spektrum.de berichtet, hat sich die Lücke zwar seit 2012 leicht verkleinert - damals lag sie noch bei 52 Prozent. Für Frauen bedeutet das aber kaum Entlastung: Im Schnitt arbeiten sie täglich nur zehn Minuten weniger als vor über zehn Jahren.
Besonders brisant wird es beim Blick auf die Folgen. Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, bei Männern sind es nur zwölf Prozent. Wer lange für die Familie kürzer tritt, hat weniger Einkommen, verpasst Karrierechancen und zahlt weniger in die Pension ein.
In Österreich zeigt sich das besonders drastisch: Die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen liegt bei 35,6 Prozent und damit weit über dem internationalen Durchschnitt von 22,8 Prozent. Während der Gap in vielen Ländern seit 2007 geschrumpft ist, ist er hierzulande sogar gewachsen.
Die Ursachen sind vielfältig: Rollenbilder, die sich hartnäckig halten, steuerliche Anreize, die traditionelle Modelle begünstigen, und fehlende Kinderbetreuungsplätze. Expertin Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt: "Sobald aus Frauen Mütter werden, kommen eben doch sehr unterschiedliche Vorstellungen zu den Rollen auf."
Viele Paare wünschen sich eigentlich eine gleichberechtigte Aufteilung. Ein Modell, bei dem beide rund 75 Prozent arbeiten und sich nachmittags abwechseln, wäre für viele ideal. In der Realität lebt aber nicht einmal jedes zehnte Elternpaar so.
Dazu kommt die unsichtbare Last: Die gesamte Planung des Alltags - vom Impftermin der Kinder bis zum Einkauf - bleibt meist an einem Elternteil hängen. Dieser sogenannte Mental Load summiert sich schnell zu einer erheblichen Belastung.
Fachleute fordern bessere Rahmenbedingungen: den Ausbau von Kinderbetreuung und Pflege, fairere Steuersysteme und Unternehmen, die auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorbereitet sind. Denn wer lange für andere sorgt, zahlt oft noch viel länger den Preis dafür.