Die brutale Tat in der 2.000-Einwohner-Gemeinde Wilfersdorf schockierte: Ein Mann suchte am 13. Jänner die Polizeiinspektion in Mistelbach auf, nachdem ihm sein Freund Stefan S. am Telefon eine fürchterliche Bluttat am Telefon gebeichtet hatte.
Sofort raste ein Großaufgebot an Polizisten zum Einsatzort: Beamte suchten – wie berichtet – die Wohnadresse des 47-Jährigen in der Helenenthal-Siedlung auf, wo der Tatverdächtige die Ermittler zu einem Erdkeller auf seinem Grundstück führte. Dort wurde die Leiche seiner Lebensgefährtin entdeckt.
Stefan S. (47) zeigte sich in seiner Einvernahme tatsachengeständig und gab an, Joyce P. (36) bereits am 5. Jänner nach einem Streit erdrosselt zu haben. Der Verdächtige sitzt in U-Haft, Mordermittlungen laufen – es gilt die Unschuldsvermutung. Auf "Heute"-Anfrage bestätigte Josef Mechtler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, das Vorliegen des vorläufigen Obduktionsergebnisses: Das Opfer wurde stranguliert, als Tatwaffe gilt ein Seil.
Nun gibt es neue Entwicklungen zur Causa: Der ausgebildete Bürokaufmann und Mediendesigner Stefan S., zuletzt auf Arbeitssuche, ist für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Er saß laut "Heute"-Infos wegen eines Gewaltverbrechens in Haft, ist vorbestraft. Inzwischen wird er von Anwalt Sascha Flatz vertreten. "Mein Mandant bedauert die Tat zutiefst. Wir werden jetzt prüfen, inwieweit hier eine Notwehrsituation vorgelegen hat, da er zuerst mit dem Messer von ihr attackiert wurde", so der Top-Jurist zu "Heute".
In seiner Einvernahme sprach der Tatverdächtige von seinen Alkoholproblemen, er brauche schon seine "ein bis zwei Promille am Tag". Dazu rauche er regelmäßig Fentanyl.
Er habe sich ohnehin am 14. Jänner bei der Polizei stellen wollen, dies aber im Beisein mit seiner Mutter, wollte "nur vorher das mit dem Hund regeln". "Ich habe schon seit einer Woche eine Last mit mir getragen und wollte die ganze Sache klären." Die Leiche sei eine Woche im Weinkeller gelegen: "Dort habe ich sie abgelegt, nachdem ich sie im Affekt stranguliert habe, da sie mit einem Messer auf mich losgegangen ist."
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
Opfer und Verdächtiger sind seit einigen Jahren zusammen, von Lanzendorf im Bezirk Mistelbach sei man in das Einfamilienhaus nach Wilfersdorf gezogen, zur Corona-Zeit habe dann "der ganze Scheiß begonnen" – Alkohol, Depression, Exzesse. Auch der Verdächtige sagt, dass die Beziehung zuletzt "toxisch" gewesen sein soll. Sogar um einen Therapieplatz in Mauer bewarb er sich, doch die schreckliche Abwärtsspirale ging immer weiter.
Das letzte halbe Jahr ging hin und her, Streitereien standen an der Tagesordnung, "mal hat sie mich zwei Tage unterstützt, dann zwei Tage beschimpft". Auch das Opfer habe eine Thematik mit Suchtmitteln gehabt. Am Montag, dem 5. Jänner, war die Stimmung besonders schlecht, da ging der Verdächtige mit dem Hund eine Runde spazieren, um eine Eskalation zu verhindern.
Als er zurückkam, sei die 36-Jährige plötzlich mit einem großen Küchenmesser auf ihn losgegangen. Da er einen dicken Mantel angehabt habe, sei "zum Glück nichts passiert". Er habe sich natürlich gewehrt, dann habe er die Frau zu Boden gebracht, "Rot gesehen" und ihr ein zwei Meter langes Hanfseil um den Hals gewickelt und "mit voller Kraft" angezogen. "Es ist schnell gegangen, bis sie keine Reaktion mehr zeigte."
Irgendwann habe er bemerkt, dass seine Partnerin tot ist: "Dann bin ich wieder zu mir gekommen, aber da war es schon zu spät." Auch am Tattag habe er wie üblich Alkohol getrunken – eine Flasche Wodka soll es über den Tag verteilt gewesen sein.
Nach dem Anruf bei seinem Bekannten klingelte auch bei seiner Mutter das Telefon. "Ich sagte ihr, dass ich einen Scheiß gemacht habe", so der Verdächtige. Was genau passiert sei, verriet er nicht. "Sie weiß nur, dass ich Hilfe mit dem Hund brauche und zur Polizei muss", teilte er Beamten mit. Nun sei er "erleichtert, dass die ganze Sache jetzt endlich vorbei ist. Ich war einfach die ganze Zeit zu schwach und zu feige, dass ich das Geschehene zugebe. Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, dann würde ich gerne das Geschehene rückgängig und ungeschehen machen. Ich werde jetzt für das Ganze geradestehen."