Eiskalt im Trend

"Frisch ist es schon": Susanne taucht in Alter Donau ab

Eisbaden boomt: Social Media und Gesundheitsversprechen treiben den Trend. Jana (51) und Susanne (60) machen das längst – Woche für Woche im Eis.
Christoph Weichsler
07.01.2026, 05:45
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Eisbaden ist gerade überall. Auf Social Media, im Fernsehen, am Neujahrstag in Seen und Flüssen. Der Kälteschock gilt als Wundermittel für Immunsystem, Psyche und Fitness. Während viele den Trend erst entdecken, stehen Jana (51) und Susanne (60) schon seit zwei Jahren im eisigen Wasser. Mitten im Winter, freiwillig, regelmäßig – und ohne Show.

Es ist still an der Alten Donau, dann kracht es. Jana schlägt mit dem Hammer auf das Eis, bis ein Loch frei ist. Schuhe aus, kurz Luft holen – dann steigt sie ins Wasser. Das Thermometer zeigt heute ein Grad. "Es ist frisch", sagt sie trocken. Seit zwei Jahren geht Jana von Weihnachten bis März einmal pro Woche an der Alten Donau ins Eis.

Susanne geht noch öfter baden. Sie steigt ein- bis zweimal pro Woche ins kalte Wasser. "Ich war heuer schon am Hintertuxer Gletscher. Bei 0,8 Grad!", erzählt sie stolz. Im Vergleich dazu fühlt sich das Wasser an diesem Tag fast schon mild an.

Mehr als nur ein Hype

Für die beiden ist das Eisbaden kein Social-Media-Gag, sondern ein fixes Ritual. Ab fünf Grad sprechen sie von Eisschwimmen, bis acht Grad von kaltem Schwimmen. Alles darunter gehört einfach dazu. "Es ist super fürs Immunsystem", sagen beide. Vor allem aber für den Kopf. Der Körper steht unter Schock, der Stress verschwindet. Nach wenigen Sekunden kommt Ruhe – und ein echtes Hochgefühl.

Dass der Trend boomt, bestätigt auch Daniel Fetz (40). Der oberösterreichische Wakeboard-Doppelweltmeister und als "Kälte-Guru" bekannte Sportler organisiert Kaltwasser-Einführungen im In- und Ausland. "Noch nie habe ich mich so wach, gesund und fit gefühlt wie jetzt", sagt Fetz über das Eisbaden.

Warnung vorm Eislaufen in Wien

Während Eisbader gezielt und vorbereitet ins Wasser gehen, warnt die Stadt Wien gleichzeitig vor dem Betreten von Natureisflächen. Trotz anhaltender Minusgrade ist das Eis auf vielen Gewässern nicht tragfähig. Immer wieder würden Menschen auf gefrorenen Flächen eislaufen oder spazieren gehen, obwohl das verboten ist – auch an der Alten Donau. Die Gefahr, ins Eis einzubrechen, sei dabei besonders hoch.

Nicht nachmachen: Eislaufen auf natürlichen Gewässern ist aktuell vielerorts noch nicht sicher.
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Gesund – aber nicht für alle

Trotz aller Euphorie warnt der Experte vor Leichtsinn. Zuletzt sorgte ein Fall für Schlagzeilen, bei dem ein junger Mann nach einem Eisbad ins Wachkoma fiel. "Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sehr hohem Blutdruck – alles über 160, 180 – sollten das Schwimmen in kaltem Wasser generell vermeiden", sagt Fetz. Eisbaden sei "für gesunde Leute, die noch gesünder werden wollen".

Richtig durchgeführt, kann der Kälteschock viel bewirken. Das Eisbad stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und senkt Entzündungswerte. "Die Blutgefäße machen auf und zu, es putzt einen so richtig durch", erklärt der zweifache Wakeboard-Weltmeister, dreifache Europameister und siebenfache Staatsmeister. Zudem werde mehr Braunfett gebildet, das weißes Fett verbrennt, das Immunsystem gestärkt und Dopamin ausgeschüttet.

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