Die tödliche Attacke spielte sich am Montag auf einem Gang vor den Unterkünften des Forensisch-Therapeutischen Zentrums Garsten (Bez. Steyr-Land) ab. Eine Überwachungskamera filmte, wie der 63-Jährige auf seinen 40 Jahre alten Mithäftling losging.
"Man sieht, wie der Beschuldigte sein Opfer im Brustbereich attackiert", schildert Andreas Pechatschek, Sprecher der Staatsanwaltschaft Steyr, die Szene im Gespräch mit "Heute". Der 40-Jährige sei anschließend zu Boden gegangen, Blutspuren waren zu sehen.
Unmittelbar nach der Attacke eilten zwei Justizwachebeamte zu Hilfe. Bei dem Video gibt es zwar keinen Ton – Pechatschek vermutet, dass das Opfer zuvor noch um Hilfe geschrien haben könnte. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen kam für den Mann jede Hilfe zu spät. "Das Opfer erlitt mehrere Stiche im Brustbereich. Einer davon verletzte die Lunge und war tödlich", so Pechatschek.
Bei der Tatwaffe handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um ein Buttermesser. Zugeschliffen war es offenbar nicht: "Die Klinge wurde nicht verändert. Allerdings war der Griff so modifiziert, dass der Beschuldigte das Messer besser halten konnte."
Woher die Waffe stammt, ist noch Gegenstand der Ermittlungen: "Ob er das Messer hineingeschmuggelt hat oder ob es aus Garsten stammt, wissen wir derzeit noch nicht", erklärt der Sprecher.
Bei seiner Einvernahme sprach der Beschuldigte über seine Beweggründe. "Als Motiv nannte er Frust auf Behörden, Ämter und die Polizei, weil auf seine Anliegen nicht reagiert worden sei", so Pechatschek. Gegen den getöteten Mithäftling dürfte sich dieser Ärger nicht gerichtet haben: "Das Opfer hatte mit dieser Motivlage nichts zu tun."
Die Vermutung liegt also nahe, dass der 40-Jährige einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Der tatverdächtige Tunesier verbüßt bereits eine lebenslange Haftstrafe. Er wurde wegen der Tötung eines Ehepaares in Linz im Jahr 2017 verurteilt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Mordverdachts.