"Tödlicher Mix" bringt Lawinen

"Für jeden der Albtraum" – Warnung für unsere Alpen

Der erfahrene Alpinist Paul Sodamin spricht eine Warnung an alle Skitourengeher aus. Durch Schwimmschnee ist die Lawinengefahr derzeit besonders hoch.
Newsdesk Heute
25.01.2026, 13:00
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Die verschneite Winterlandschaft der österreichischen Alpen ist eine Todesfalle – auch für erfahrene Alpinisten. Erst am vergangenen Samstag sind 8 Menschen durch von Wintersportler ausgelöste Lawinenabgänge in Salzburg und der Steiermark ums Leben gekommen. Zwei der Opfer (63, 65) waren mehrere Jahrzehnte bei der Tiroler Bergrettung aktiv gewesen.

Die Wetterbedingungen der jüngsten Wochen hätten einen "tödlichen Mix" ergeben, schildert der steirische Berg- und Skiführer Paul Sodamin (67). Die anhaltende Eiseskälte und das Ausbleiben von Niederschlägen habe zur Bildung von tückischem Schwimmschnee geführt.

"Besser umkehren"

Schwimmschnee hat keinen inneren Zusammenhalt und rieselt wie Zucker aus der Hand. Darüberliegende Schneeschichten haben darauf keinen Halt. Lösen sie sich, "schwimmen" sie auf und rauschen als gefährliche Lawine ins Tal. Besonders gefährlich sei die Lage auf Nordhängen, mahnt der Experte.

Die sogenannte aufbauende Umwandlung entsteht bei dünner Schneedecke und starkem Frost. Durch einen Temperaturgradienten verändern sich die Kristalle des Altschnees derart, dass sie ihre Bindung verlieren. Es entsteht Schwimmschnee. Dieser tückische Unterbau kann monatelang bestehen bleiben, besonders in schattigen Lagen. "Das ist für jeden Skitourengeher der Albtraum. Darum heißt es aufpassen", warnt Sodamin.

Auf Facebook schärft der "Pulver Paul" nach: "VORSICHT! Horche auf dein Bauchgefühl. Zweifel? Verzichten! Besser einmal umkehren als ein unnötiges Risiko eingehen." Die Gefahr ist tückisch. "Viele Unfälle passieren während Lawinen-Warnstufe Stufe 2–3 dort, wo das Gelände 'harmlos' wirkt", weiß er. Selbst Stufe 1 sei bei dieser "Lawinenzeit" gefährlich!

Leichtsinn in den Alpen

Es ist nicht die erste öffentliche Warnung des erfahrenen Bergsteigers. Er möchte die Alpen sicherer machen, hat bei seinen hunderten Gipfelbesteigungen auch schon selbst viel Verrücktes erlebt.

So hatte er im August 2024 einen "Irren" aus Niederösterreich auf dem Großglockner getroffen. Der etwa 50-jährige Möchtegern-Alpinist wollte in Shorts und Turnschuhen auf den Gipfel. "Er hätte es nie auf den Berg geschafft, er wäre womöglich abgestürzt", so der Experte. Glücklicherweise ließ sich der Mann dann aber doch auf 3.550 Metern Höhe zur Umkehr überreden.

Über den Vorfall veröffentlichte er später ein Video, um zu warnen. Denn der Leichtsinn nehme in den letzten Jahren immer mehr zu, erklärte er damals gegenüber der "Kleinen Zeitung": "Die Leute denken zu wenig nach, gehen bei schlechtem Wetter und schlecht ausgerüstet auf den Berg. Ich glaube, viele Menschen gehen einfach auf den Berg und denken sich, im Notfall holt mich eh der Hubschrauber oder die Bergrettung."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 25.01.2026, 14:31, 25.01.2026, 13:00
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