50 bis 60 Tage steht Leo Bischof jährlich auf der Piste. Seit rund fünf Jahren aber nur mehr mit seinen eigens gebauten und maßgeschneiderten Snowboards. "Es ist ein komplett anderes Fahrgefühl", sagt der 22-jährige Steirer. Die Idee dazu entstand eigentlich aus der Not.
Ein Splitboard war zu teuer und ein passendes Serienboard gab es auch nicht. Vor allem seine Schuhgröße 46 machte ihm bisher Probleme. "Mit normalen Boards hatte ich ständig Bootout – meine Füße ragten über die Kante hinaus", erzählt Bischof. Also beschloss der Grazer gemeinsam mit seinem Vater kurzerhand eigene Snowboards zu bauen.
In einem 11-Quadratmeter-Zimmer in der Wohnung entstanden die ersten Bretter. "Die waren eher mau", lacht Bischof. Doch schon beim dritten Board hatte er den Dreh raus. Sein erstes Meisterstück taufte er "Yellow Submarine", das seines Vaters hieß "Red Sally". Im Dezember 2020 – nach Lockdown und geschlossenen Skigebieten – standen beide pünktlich zur Pisteneröffnung mit ihren Eigenkreationen auf dem Schnee.
Aus dem anfänglichen Hobby wurde bald mehr. Noch während seiner Schulzeit in der HTL Kapfenberg machte Bischof den Bau von Snowboards zu seiner Diplomarbeit. "Da wurde mir klar, wie komplex die Berechnung eines Snowboards wirklich ist", sagt er. Statt sich entmutigen zu lassen, entwickelte er ein Programm, das anhand von Körpermaßen und Fahrstil automatisch das perfekte Snowboard-Modell berechnet.
Später begann Bischof Maschinenbau an der TU Graz zu studieren, um die Technik und Berechnungsformeln weiter zu verbessern. Sein erster Snowboard-Konfigurator ist mittlerweile bereits online – mit wenigen Klicks entsteht ein individuelles Brett: abgestimmt auf Gewicht, Größe, Schulterbreite, aber auch darauf, ob jemand lieber carvt, springt oder Tiefschnee liebt.
Bisher baut Bischof Boards auch für Schüler und Kollegen der Richi’s Skischule am Kreischberg und natürlich für sich selbst. Der Preis für seine Bretter liegt bei etwa 2.000 Euro – und damit weit unter den üblichen Kosten für maßgeschneiderte Snowboards.
Das große Ziel des Jungunternehmers: Mit seinem Start-up den Snowboard-Markt ordentlich aufzumischen. Demnächst will Bischof die nächste, verbesserte Version seines Konfigurators präsentieren. In nur wenigen Minuten entstehen damit individuelle Entwürfe für maßgeschneiderte Boards – vom Fahrstil bis zum Design können die Kunden alles selbst bestimmen. Gefertigt werden die Unikate in einem Partnerbetrieb in Kärnten, wo Bischof derzeit noch jedes einzelne Board eigenhändig baut. "Gute von schlechten Boards kann man von außen nicht erkennen. Man merkt es erst, wenn man fährt", betont er.