Während im hinteren Pitztal mit Hochdruck tonnenweise Geröll von den Straßen geräumt wird, kämpfen Einsatzkräfte mit einem unerwarteten Problem: Zahlreiche Urlauber missachten laut "Tiroler Tageszeitung" (kurz "TT") die Absperrungen und betreten die gesperrten Bereiche trotz laufender Arbeiten.
Straßenmeister Hartmut Neurauter erlebt das beinahe im Minutentakt. Wanderer, Radfahrer und Familien passieren die Sperren und gehen zwischen schweren Baumaschinen hindurch. Selbst ein Vater kletterte mit seinen beiden Kindern über meterhohe Schutthalden, um den Schlamm zu umgehen. Die Kinder mussten schließlich wieder heruntergeholfen werden.
Für die Einsatzkräfte sorgt das Verhalten für Unverständnis. "Die Leute kommen aus Holland, Deutschland und sehen den Haufen. Was aber dahintersteckt und welche Gefahren das sind, wissen sie nicht", erklärt Neurauter gegenüber "TT".
Auch Bürgermeister Elmar Haid berichtet in der Tageszeitung von ähnlichen Szenen: "Man muss sich mit Händen und Füßen wehren, damit die Leute nicht in die Baustelle hineinrennen, wo die Fahrzeuge arbeiten."
Zwar wurde gemeinsam mit dem Tourismusverband eine Ausweichroute für Wanderer eingerichtet, dennoch würden viele Urlauber die Absperrungen einfach umgehen. "Es ist uns bewusst, dass die Gäste die Gefahr gar nicht einschätzen können", sagt er in der "Tiroler Tageszeitung".
Auch für die Bauarbeiter sei die Situation problematisch. "Die schweren Fahrzeuge können nicht auf die Leute auch noch Rücksicht nehmen. Die müssen schauen, dass sie das Material wegbringen."
Nicht alle Gäste reagieren gleich. Während manche die Sperren missachten, zeigen andere Verständnis. "Natürlich. Da kann ja keiner im Tal etwas dafür", sagt Urlauberin Sun-Hi, die nach der Mure ihre Wanderung zur Rüsselsheimer Hütte abbrach, gegenüber der Tageszeitung.
Sie lobt auch die raschen Aufräumarbeiten: "Wir kennen ja die Tiroler, das geht hier sehr schnell. Wir wundern uns immer, wie gut das organisiert ist." Auch Andreas aus Westfalen zeigt sich in der "TT" beeindruckt: "Hier sind alle darauf vorbereitet. So schnell wie das frei wird - das ist Wahnsinn."
Die Muren waren am Mittwochabend nach heftigen Unwettern abgegangen. Rund 100.000 Kubikmeter Material verschütteten die Landesstraße stellenweise bis zu vier Meter hoch. Teilweise konnten selbst 30-Tonnen-Bagger die riesigen Felsbrocken nicht bewegen.
Bauer Peter Füruter erlebte die Mure aus nächster Nähe. Ein Hektar seiner Wiesen wurde zerstört. "Das ist deprimierend, aber es kann keiner was dafür", sagt der Landwirt in der "Tiroler Tageszeitung".
Auch über die Schaulustigen kann er nur den Kopf schütteln: "Die Touristen rennen planlos und ziellos durch die Gegend." Verletzt wurde bei den Murenabgängen zum Glück niemand. Die Sorgen im Pitztal bleiben dennoch groß - denn die Unwettersaison ist noch lange nicht vorbei.