"Die Ordinationen der Wiener Allgemeinmediziner sind derzeit völlig überrannt und am Limit", warnt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer – "Heute" berichtete. Grund ist nicht nur die aktuelle Grippewelle. Neben Influenza häufen sich auch Infektionen mit Adeno-, Parainfluenza-, saisonalen Coronaviren und SARS-CoV-2, wie das Zentrum für Virologie der MedUni Wien meldet.
Auch Kambiz Modarressy, Allgemeinmediziner in Meidling, hat alle Hände voll zu tun: "Ich habe in meiner Ordination derzeit rund 30 Prozent mehr Patienten mit Infekten", so der Mediziner zu "Heute". Die aktuelle Grippe-Mutation sei sehr aggressiv – "Heute" berichtete – und sorge für sehr viele Neuinfektionen. Viele Betroffene leiden unter außergewöhnlich hohem Fieber, berichtet Modarressy. "Das ist sonst eher selten", so der erfahrene Hausarzt.
Was ihn ärgert: Zwar gäbe es mit Tamiflu ein sehr gut wirkendes Medikament gegen die Grippe. Er dürfe es aber erst verschreiben, wenn ein entsprechender Test die Infektion auch einwandfrei bestätige. Doch diesen Test zahlt die Krankenkasse nicht. Modarressy schließt sich daher der Forderung der Wiener Ärztekammer an: Sowohl Influenza- als auch CRP-Tests – sie ermöglichen die Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infekten – müssen eine Kassenleistung werden.
"Es ist unerlässlich, dass wir diese Tests flächendeckend einsetzen können – für gezielte Therapien und zur Vermeidung unnötiger Antibiotikagaben", so Ärztekammer-Vize-Präsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied.