Zaim Gjura ist ein erfahrener Gastronom: Ab 2020 führte er das Lokal auf der Favoritenstraße 79 in Wien-Favoriten, 2024 übernahm er das "Chef's Bistro" mit insgesamt 200 Sitzplätzen auch als Betreiber. "Wir hatten 2024 super Umsätze und absolut keine wirtschaftlichen Probleme. Das Uhrwerk hat sich gedreht", erinnert sich Gjura zurück.
Doch dann kamen die ersten Baustellen auf der Favoritenstraße: Zum einen erneuern die Wiener Linien die Abdichtung der U-Bahn-Tunnel und den Straßenbelag. Zum anderen wird die Favoritenstraße im Rahmen der Initiative "Raus aus dem Asphalt" in zwei Bauabschnitten neu gestaltet und begrünt.
Im Jahr 2025 begannen die ersten Arbeiten: "Sie haben beim Columbusplatz angefangen, die Baucontainer standen aber vor meiner Türe. Das hat die Kunden natürlich abgeschreckt", erklärt der Gastronom. Erste Auswirkungen auf die Umsätze waren spürbar: "Ich habe dann privat Geld dazugeschossen." Im Oktober 2025 musste Gjura dann auch seinen großen Schanigarten räumen.
Mit Jahresbeginn verschärfte sich die Situation weiter – die Favoritenstraße wurde wieder aufgerissen, der Eingang zum Lokal ist schmal und schwer erreichbar. Auch bei einem "Heute"-Lokalaugenschein zeigt sich: Die Baustelle ist ein richtiges Labyrinth, im Zickzack-Kurs schieben sich die Menschen durch: "Im Jänner und Februar hatte ich schon 50 Prozent Umsatzeinbußen. Die Vibrationen der Maschinen waren bis ins Lokal spürbar, dazu der ständige Lärm. Kein Kunde setzt sich dem aus."
Für 2025 beziffert Gjura den Schaden auf rund 250.000 Euro, für heuer macht er bereits rund 500.000 Euro aus. Bis dato ist der Umsatz um bis zu 70 Prozent zurückgegangen: "Die Baustelle hat mein Lokal ruiniert. Das ist für die Gastro Mord", ist er sicher. Zeitweise musste der Wiener das "Chef's Bistro" sogar schließen, seine eigenen finanziellen Ressourcen sind aufgebraucht: "Es kamen einfach keine Kunden. Zudem musste ich Mitarbeiter kündigen. Von den ursprünglich 16 Dienstnehmern sind es jetzt nur noch etwa sechs."
Das Lokal lebt vor allem von Laufkundschaft und seinem Schanigarten mit 70 Sitzplätzen. Zum Vergleich: 2024 machte Gjura laut eigenen Angaben an einem Samstag etwa 3.000 Euro Umsatz, am 30. Mai waren es 270 Euro: "Wir haben jahrelang ein funktionierendes Lokal aufgebaut. Jetzt habe ich Angst, dass der Betrieb das nicht überlebt", schildert er.
Zusätzlich belastet den Unternehmer ein Konflikt mit seiner Vermieterin. Monatlich zahlt er für das 240 Quadratmeter große Lokal rund 10.000 Euro – bis inklusive Mai hat er die Miete bezahlt. Trotz der massiven Einschränkungen durch die Baustelle sei ihm keine Mietminderung gewährt worden. Auch mit Kündigung soll ihm bereits gedroht worden sein. Der Fall soll nun rechtlich geklärt werden.
Zwar soll die Baustelle nach aktuellem Stand in ein paar Wochen abgeschlossen sein. Ob das für das "Chef's Bistro" noch rechtzeitig kommt, ist jedoch offen: "Ich werde mindestens 1,5 Jahre brauchen, damit sich der Betrieb wieder erholt." Ob sich die Gäste danach wieder in ausreichender Zahl zurückmelden und das Lokal gerettet werden kann, bleibt abzuwarten.