Platzmangel und Personalnot

Gefängnis-Krise! Immer mehr Jugendliche in Haft

Immer mehr Jugendliche sitzen in den heimischen Justizanstalten. Von 2024 auf 2025 wurde ein Anstieg von 46 Prozent verzeichnet.
Newsdesk Heute
28.04.2026, 13:35
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Die Lage in Österreichs Gefängnissen löst bei der für den Strafvollzug zuständigen Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) Sorgenfalten aus. Platzmangel, Personalnot, aber auch die steigende Anzahl an jugendlichen Inhaftierten belasten das System.

Am Dienstag sprach Schwarz bei der Präsentation des Parlamentsberichts 2025 von einer "dramatischen Situation", berichtet die "Krone". Demnach seien 2024 noch 125 Jugendliche in Haft gesessen. 2025 lag die Anzahl schon bei 182. Dies bedeute einen Anstieg von 46 Prozent. Besonders schwierig sei, dass die Jugendlichen oft mit erwachsenen Inhaftierten zusammen angehalten werden müssen.

Mehrere Jugendabteilungen geschlossen

Schwarz nannte auch konkrete Beispiele. So waren Mitte März 2025 in der Justizanstalt (JA) St. Pölten etwa 327 Häftlinge untergebracht. Die Jugendabteilung wurde angesichts des hohen Belagsdrucks geschlossen. Dies führte dazu, dass vier Jugendliche in Mehrpersonenhafträumen mit Erwachsenen verlegt wurden. Ein ähnliches Problem gab es im August 2025 auch in der JA Wiener Neustadt. Dort gab es für fünf Jugendliche keine eigene Abteilung. Als Folge fielen Ergotherapie, Sozialpädagogik und eine kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung für die Betroffenen flach.

Auch in der Steiermark spitzte sich die Lage zu. Schwarz berichtete, dass die Jugendabteilung der JA Graz-Jakomini im Juni 2025 wegen Bauarbeiten geschlossen wurde. Für die Betroffenen habe es eine interimistische Lösung gegeben, die jedoch "völlig ungeeignet" gewesen sei. Erst Ende November 2025 sei der Betrieb der Jugendabteilung wieder aufgenommen worden.

Viele Häftlinge, wenig Personal

In Wien-Simmering sollte die JA Münnichplatz, in der 72 Haftplätze für männliche Jugendliche zur Verfügung gestellt wurden, für Entlastung der gesamten Ostregion sorgen. Laut der Volksanwältin sei man davon jedoch "weit entfernt". Aktuell würden sich dort 82 inhaftierte Jugendliche befinden. Seitens des Justizministeriums habe man als Reaktion die Belagsfähigkeit auf 90 Plätze aufgestockt. Für Schwarz würde dies die JA jedoch überfordern.

Demnach habe man die Zellen mit Stockbetten ausgestattet, wodurch die empfohlene Ein- oder Zweipersonenbelegung nicht gegeben sei. Auch die vom Justizministerium vorgegebene Mindesthaftraumgröße pro Insasse sei so nicht mehr gegeben. Die Folge sei ein erhöhtes Gewaltrisiko. Aber auch die Personalsituation in der JA Münnichplatz sei besorgniserregend. Nur 43 der 60 Planstellen seien besetzt. Einige Beamten hätten auch keine Erfahrung im Jugendstrafvollzug. Besonders brisant: Ein Beamter wurde aus der JA Feldkirch in Vorarlberg nach Wien versetzt.

Die Sport- und Bewegungsmöglichkeiten in der JA Münnichplatz könnten durch den Personalmangel von den Jugendlichen nicht genutzt werden. Sowohl die Insassen als auch das Personal würden auf die prekäre Lage hinweisen, meinte die Volksanwältin.

Hohe Suizidrate

Dies zeige sich auch in der Anzahl von Beschwerden, die man von Häftlingen und Angestellten erhalten habe. Insgesamt 1.145 Meldungen habe es gegeben – ein Anstieg von 27 Prozent im Vergleich zu 2024. Das Fazit von Schwarz: Die Justizanstalten würden "an den Rand ihrer Belastbarkeit" gebracht. Demnach wären alle heimischen Gefängnisse überfüllt.

Außerdem habe man im Vorjahr mit 59 versuchten und acht vollendeten Suiziden in Österreichs Haftanstalten einen traurigen Höchststand erreicht. Eine Zahl, die für die Volksanwältin "alarmierend" sei.

{title && {title} } red, {title && {title} } 28.04.2026, 13:35
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