"Qualifikation passt nicht"

AMS hindert Türken mehrmals daran, Job anzunehmen

Ein ausländischer Akademiker durfte trotz Jobangebot in Wien nicht arbeiten - erst nach Einschreiten der Volksanwaltschaft bekam er grünes Licht.
André Wilding
24.04.2026, 21:58
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Ein Mann will arbeiten, darf aber nicht: Ein in Wien ausgebildeter Politikwissenschafter scheiterte gleich mehrfach am AMS – obwohl ihm konkrete Jobs angeboten wurden – das berichtet das Nachrichtenmagazin "profil".

Arbeitslosengeld, Notstandshilfe

Der türkische Staatsbürger, Ende 30, hatte sein Masterstudium in Wien abgeschlossen und bereits eine fixe Zusage für eine Stelle im Bereich Public Affairs. Dennoch lehnte das AMS seinen Antrag auf eine Rot-Weiß-Rot-Karte ab. Begründung: Die Tätigkeit passe nicht zu seinem Studium.

Wie sich später zeigte, war genau diese Rechtsansicht nicht haltbar. Für den Betroffenen hatte das massive Folgen - er blieb weiter ohne Job und musste von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe leben, heißt es in dem Bericht des Magazins weiter.

Es war nicht der erste Rückschlag: Bereits zuvor war ihm eine Stelle als Betriebsleiter in Niederösterreich verwehrt worden - mit derselben Begründung. Über ein Jahr lang konnte der Mann keine Arbeit aufnehmen, obwohl Angebote vorhanden waren.

AMS lenkte ein

Erst als er sich an die Volksanwaltschaft wandte, kam Bewegung in den Fall. Volksanwalt Bernhard Achitz prüfte die Entscheidung und stellte klar, dass ein solcher Zusammenhang zwischen Studium und Job gesetzlich gar nicht erforderlich ist. Die Kritik zeigte Wirkung: Im Februar 2026 lenkte das AMS ein, die Rot-Weiß-Rot-Karte wurde erteilt.

Heute arbeitet der Mann als Public-Affairs-Manager in Wien. Sein Arbeitgeber hatte mehrere Monate auf ihn gewartet.

Achitz sieht im Fall kein Einzelproblem. Entscheidungen wie diese hätten beim AMS "offensichtlich System", heißt es im "profil". Auch in einem weiteren Fall bekam ein hochqualifizierter Techniker aus Pakistan keine Unterstützung bei der Jobsuche und musste Österreich wieder verlassen.

Im Video: "Unglaubliche Tricks" – AMS-Berater packt jetzt aus

Strukturelles Problem

Gleichzeitig betont Achitz, dass es keine Hinweise auf Diskriminierung gebe. Vielmehr spreche vieles für strukturelle Probleme und eine "ausgeprägte Fehlerkultur" innerhalb der Behörde. Die Politik reagiert nun: Künftig soll es für Inhaber einer Rot-Weiß-Rot-Karte eine gesetzlich abgesicherte Frist zur Jobsuche geben.

Für den Betroffenen hat sich der lange Kampf gelohnt - sein nächstes Ziel ist jetzt die österreichische Staatsbürgerschaft.

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