Die Suche nach dem mutmaßlichen zweiten vergifteten Hipp-Glass dauert weiter an. Trotz intensiver Bemühungen sei dieses noch nicht aufgetaucht, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Zuletzt wurden gezielt Familien mit Kleinkindern angesprochen, die die Babynahrung gekauft haben könnten. Hinweise erhofft man sich nun auch von jenen, die nicht angetroffen wurden. Bei ihnen wurden Flyer hinterlassen.
Erpresser drohten in einer E-Mail, vergiftete Gläser in mehreren Supermärkten zu platzieren – unter anderem in einer Interspar-Filiale in Eisenstadt sowie in Tesco-Märkten in Tschechien und der Slowakei. Tatsächlich wurden dort Gläser mit Rattengift gefunden, die jedoch rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden konnten.
Insgesamt wurden sechs manipulierte Gläser angekündigt, fünf davon konnten bereits sichergestellt werden. Im Burgenland läuft die Suche nach dem sechsten Glas weiterhin auf Hochtouren. Ein bereits sichergestelltes Glas aus Schützen am Gebirge wurde positiv auf Rattengift getestet.
Die Ermittlungen laufen auf mehreren Ebenen. Während die Staatsanwaltschaft Eisenstadt wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung ermittelt, führt die Kriminalpolizei Ingolstadt das Verfahren wegen versuchter Erpressung. Eine eigene Sonderkommission "Glas" wurde eingerichtet.
Die Bevölkerung wird weiterhin aufgerufen, verdächtige Gläser zu melden. Hinweise könnten etwa ein weißer Aufkleber mit rotem Kreis, ein beschädigter Deckel oder ein ungewöhnlicher Geruch sein. Auch das typische "Knack-Geräusch" beim ersten Öffnen könne fehlen.
Am Mittwoch meldete sich erstmals Hipp-Chef Stefan Hipp zu Wort. Er bestätigt gegenüber der "Presse", dass die Erpresser-Mail zunächst übersehen wurde. Sie sei am 27. März in einem "unpersonalisierten Sammelpostfach" eingelangt, das nur alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werde. Erst am 16. April sei die Nachricht entdeckt und umgehend die Polizei informiert worden.
Hipp sieht sich trotz der Rolle als Opfer auch Kritik ausgesetzt. "Obwohl Hipp „das Opfer einer Straftat" sei, werde das Unternehmen "nach außen hin teilweise wie ein Täter dargestellt", so Hipp. Man habe jedoch nichts verschwiegen und stets eng mit den Behörden zusammengearbeitet – mehr dazu hier.