Drohmail bereits im März

Gift in HiPP-Gläser! Erpresser fordern 2 Millionen Euro

Im Skandal um vergiftete HiPP-Gläser kommen weitere Details ans Licht: Der Hersteller soll eine Erpresser-Mail mit Millionen-Forderung erhalten haben.
Lara Heisinger
20.04.2026, 10:00
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Nach dem Fund von vergifteten Babynahrungs-Gläschen spitzt sich die Lage weiter zu: Immer mehr Hinweise deuten auf einen gezielten Erpressungsversuch gegen den Hersteller Hipp hin. Ermittler arbeiten mittlerweile grenzüberschreitend an der Aufklärung.

Beim Unternehmen in Deutschland soll bereits am 27. März eine Drohmail eingegangen sein. Darin wurde bis 2. April eine Zahlung von zwei Millionen Euro gefordert, berichtet die "Presse". Andernfalls drohte der Absender damit, jeweils zwei vergiftete Gläser in der Interspar-Filiale in Eisenstadt, in Tesco-Filialen in Brünn (Tschechien) sowie in Dunajská Streda (Slowakei) zu platzieren. Laut Informationen wurde die Mail jedoch erst am 16. April gelesen.

Bisher zwei Gläser in Österreich entdeckt

In Tschechien und der Slowakei wurden tatsächlich manipulierte Gläser entdeckt und sichergestellt – beide waren vergiftet. Auch in Österreich ist der Fall brisant: In einer Interspar-Filiale in Eisenstadt wurden zwar keine markierten Produkte gefunden, allerdings wurden dort entsprechende Gläser verkauft. Mindestens zwei dürften betroffen sein. Eines davon konnte sichergestellt werden, nachdem es zwar gekauft, aber nicht konsumiert worden war. Nach einem weiteren wird noch gesucht, bestätigte Polizeisprecher Helmut Marban. Es könnte – wie beim bereits untersuchten Produkt – mit Rattengift versetzt sein.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung. Details zu einem möglichen Erpressungsschreiben wollten weder die österreichischen Behörden noch das Polizeipräsidium Oberbayern Nord kommentieren. Eine Stellungnahme wurde lediglich angekündigt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Das sichergestellte Glas war bei Spar in Eisenstadt gekauft worden. Auch das noch fehlende Produkt dürfte von dort stammen. Ermittler gehen Hinweisen nach, die aus Deutschland an die österreichischen Behörden weitergeleitet wurden.

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt bestätigte die laufenden Ermittlungen. "Eine genaue toxikologische Untersuchung des sichergestellten Glases wurde angeordnet", erklärte Sprecherin Petra Bauer. Weitere Details halten die Behörden bewusst zurück. So wird etwa kein Foto des betroffenen Glases veröffentlicht – aus Sorge vor möglichen Nachahmungstaten. Man wolle laufende Ermittlungen in Deutschland nicht gefährden, so Marban.

Auch in Deutschland laufen Untersuchungen. Die Kriminalpolizei Ingolstadt führt die Ermittlungen und steht in engem Austausch mit dem Unternehmen. Laut Behördenangaben ist Deutschland selbst nicht von manipulierten Produkten betroffen.

Ausgelöst wurde die Causa durch einen groß angelegten Rückruf in Österreich: Betroffen ist das Produkt "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" (190 Gramm), das bei Spar verkauft wurde. Nachdem der Verdacht auf eine Vergiftung mit Rattengift aufgekommen war, warnten Gesundheitsministerium und AGES, dass "besondere Vorsicht geboten ist, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist".

Der Handel reagierte sofort: Sämtliche betroffenen Gläser wurden aus den Regalen entfernt. "Bei 1500 Filialen in Österreich war das eine ordentliche Menge", erklärte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Wie viele Produkte bereits von Kundinnen und Kunden zurückgebracht wurden, ist derzeit noch unklar.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei bittet unterdessen weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung. Meldungen werden unter der Telefonnummer +43-5913310-3333 entgegengenommen. Seit Freitagabend seien "viele Telefonate von besorgten Bürgerinnen und Bürgern eingegangen", zog Marban eine erste Bilanz.

Gleichzeitig warnen die Ermittler vor möglichen weiteren manipulierten Gläsern im Umlauf. Die Bevölkerung solle "aufmerksam bleiben" und prüfen, "ob vielleicht ein Glas in den letzten Tagen gekauft worden ist und man noch nicht darauf gekommen ist". Verdächtige Produkte seien laut aktuellem Stand an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden erkennbar.

Hinweise könnten außerdem ein geöffneter oder beschädigter Deckel sowie ein fehlender Sicherheitsverschluss sein – dadurch fehlt das typische Knack-Geräusch beim ersten Öffnen. Beim bereits sichergestellten Glas habe der Inhalt zudem verdorben gerochen und eine auffällige Konsistenz aufgewiesen.

Zum möglichen Erpressungsversuch äußert sich das Unternehmen nicht im Detail. Man könne dazu "in Absprache mit der Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen", so Berkmann.

{title && {title} } LH, {title && {title} } Akt. 20.04.2026, 10:27, 20.04.2026, 10:00
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