Nach dem Fund von mit Rattengift manipulierten Babybrei-Gläsern des Herstellers HiPP ermitteln Behörden wegen eines internationalen Erpressungsversuchs. Laut aktuellen Erkenntnissen erhielt das Unternehmen bereits Ende März eine Drohmail mit der Forderung nach zwei Millionen Euro – andernfalls sollten vergiftete Produkte in mehreren Ländern in Umlauf gebracht werden. "Heute" hat hier berichtet:
Tatsächlich wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei manipulierte Gläser entdeckt. In Österreich betrifft der Fall eine Spar-Filiale in Eisenstadt. Mindestens zwei Gläser dürften hier verkauft worden sein, eines wurde sichergestellt, ein weiteres wird noch gesucht.
Im Fokus steht vor allem das Produkt "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" (190 Gramm), das bei Spar verkauft wurde. Der gesamte Bestand wurde vorsorglich aus den Regalen genommen.
Die Polizei schließt nicht aus, dass sich noch weitere manipulierte Gläser im Umlauf befinden. Gleichzeitig werden Details bewusst zurückgehalten, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: erhöhte Aufmerksamkeit beim Umgang mit bereits gekauften Produkten.
„Aktuell haben wir sehr wenig Informationen und wissen nicht, welches Gift verwendet wurde.“Kinderarzt Peter Voitl
Der Verzehr eines manipulierten Gläschens kann lebensgefährlich sein. Aus Gründen der Vorsicht wird dringend davon abgeraten, entsprechende Produkte zu konsumieren. Worauf Eltern deshalb jetzt achten sollten:
Der Verzehr von Rattengift ist lebensgefährlich. Hat ein Kind bereits aus einem verdächtigen Glas gegessen, sollte es genau beobachtet werden. Je nachdem, welches Rattengift verwendet wurde, treten die Symptome nach dem Verzehr sofort oder zeitverzögert auf. "Aktuell haben wir sehr wenig Informationen und wissen nicht, welches Gift verwendet wurde", so der Wiener Kinderarzt Peter Voitl gegenüber "Heute".
Wichtig sei laut dem Kinderarzt, dass es sich bei den betroffenen Gläsern nicht um die große Menge handle. "Die große Mehrheit ist sauber und beim Öffnen an dem typischen Klick zu erkennen", beruhigt Voitl.
„Die große Mehrheit ist sauber und beim Öffnen an dem typischen Klick zu erkennen.“
Vor dem Verzehr sollten die Gläschen laut HiPP und AGES sorgfältig auf das Aussehen sowie andere Merkmale kontrolliert werden.
All diese Merkmale können auf eine Manipulation hindeuten. Den HiPP Elternservice Österreich ist zudem unter der Nummer +43 7612 76577-104 erreichbar.
Auch wenn ein Glas äußerlich unauffällig wirkt, gilt derzeit: Produkte aus dem betroffenen Umfeld keinesfalls verfüttern. Behörden warnen ausdrücklich vor möglichen Gesundheitsgefahren für Säuglinge. Im Zweifel ist es sicherer, das Produkt nicht zu verwenden.
HiPP ruft alle Babykostgläschen - unabhängig von der Sorte - zurück, die bei Spar, Eurospar, Interspar oder Maximarkt in Österreich gekauft wurden. Die Produkte können im nächstgelegenen Markt ohne Rechnung zurückgegeben werden. Der Kaufpreis wird erstattet. Das hilft auch den Ermittlern, mögliche manipulierte Produkte sicherzustellen.