Während in ganz Niederösterreich bereits rund 15 Prozent der Kassenstellen für Allgemeinmediziner unbesetzt sind, zeigt sich das Problem in einem Ort besonders drastisch: In Gresten (Bezirk Scheibbs) wartet man seit über zehn Jahren auf einen zweiten Kassenarzt – so lange wie sonst nirgends in Österreich. Das geht aus einem Bericht der ORF-Sendung "Report" hervor.
Für die Menschen vor Ort bedeutet das: volle Wartezimmer und wenig Zeit pro Besuch. Denn aktuell gibt es im Ort nur einen einzigen Kassenarzt – Syrus Nikou.
Ein Blick in seine Praxis zeigt die Realität: Selbst an ruhigeren Tagen behandelt Nikou etwa acht Patientinnen und Patienten pro Stunde. Viel Zeit bleibt da nicht. Im Schnitt sind es nur wenige Minuten pro Person.
Gegenüber dem "ORF" schildert Nikou: "Manchmal ist nur eine kleine Kontrolle notwendig, man schaut etwa in den Hals hinein, ob die Angina weg ist – dann hat man wieder Zeit gut gemacht. Ein anderer Patient braucht wieder mehr Zeit. Wenn zum Beispiel ein psychisches Problem auftaucht, dann sitzt man 20, 30 Minuten." Trotz dieser Unterschiede versucht der Arzt, einen Schnitt von fünf bis acht Minuten pro Patient einzuhalten.
Die Belastung hat auch persönliche Folgen: Als einziger Kassenarzt im Ort kann sich Nikou nur eingeschränkt freinehmen. Mehr als zwei Wochen Urlaub am Stück sind für ihn laut Bericht kaum möglich.
Um solche Situationen künftig zu entschärfen, setzt das Gesundheitssystem verstärkt auf sogenannte Primärversorgungszentren (PVZ). Dort arbeiten mehrere Ärzte gemeinsam mit anderen Gesundheitsberufen – ein Modell, das die Versorgung breiter aufstellen soll.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) plant dafür eine massive Investition: Rund 500 Millionen Euro sollen in den Ausbau dieser Zentren fließen.
ÖGK-Obmann Andreas Huss sieht darin einen entscheidenden Schritt und sagt: "Wenn wir mehr solche größeren Versorgungszentren mit Einbindung anderer Gesundheitsberufe haben und jeder Gesundheitsberuf das macht, was er besonders gut kann, dann ist für den einzelnen Arzt wesentlich mehr Zeit verfügbar. Damit kann er sich auch intensiver mit dem einzelnen Patienten auseinandersetzen."