Mordprozess gegen Winzer

"Habe Angst gehabt" – Pfleger sorgte sich um Witwe

Ein Winzer soll eine vermögende Frau mit einer Überdosis Schlafmittel getötet haben – am Freitag sprach der Pfleger der Witwe über die Todesnacht.
10.04.2026, 13:03
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Fortsetzung im aufsehenerregenden Prozess um einen steirischen Winzer (58), der eine 71-Jährige mit einem "Gift-Cocktail" getötet haben soll. Der im Zusammenhang mit einer Sterbeverfügung angeklagte Mann betonte im Prozess, er habe der 71-Jährigen auf deren ausdrücklichen Wunsch hin ein tödliches Mittel in ein Glas gegeben.

Bei seiner Einvernahme am Donnerstag hatte der Beschuldigte bereits gesagt, dass sich der Todesentschluss der Frau schon am 7. März des Vorjahres endgültig gefestigt habe.

Schwerer Schlaganfall

Die betroffene Niederösterreicherin war nach einem schweren Schlaganfall bettlägerig und auf eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung angewiesen. Ein 49-jähriger Pfleger, der am Freitag als Zeuge beim Prozess am Landesgericht St. Pölten gehört wurde, berichtete von seinen Eindrücken rund um diesen Tag.

Er habe am 7. März ein Foto eines Behälters mit Natrium-Pentobarbital an die Tochter der Frau geschickt, erklärte der Mann laut Dolmetscherin. Von der Tochter habe er erfahren, dass es sich um ein "Gift" handle, was bei ihm große Sorgen ausgelöst habe.

"Habe Angst gehabt, was kommt, heute Abend"

"Ich habe Angst gehabt, was kommt, heute Abend", schilderte der Pfleger seine damaligen Befürchtungen. Er habe die 71-Jährige noch gefragt, was an diesem Tag passieren werde, jedoch keine Antwort erhalten.

In der Nacht selbst habe er keine ungewöhnlichen Wahrnehmungen gemacht – vom Tod der Frau erfuhr er erst am nächsten Morgen.

Aufzeichnungen von Gesprächen

Der Angeklagte sei ihm zu diesem Zeitpunkt etwas nervös erschienen, gab der Zeuge nach mehrmaligem Nachfragen an. Zugleich räumte der Pfleger ein, Gespräche und Telefonate zwischen dem Beschuldigten und der Frau über Monate hinweg aufgezeichnet zu haben.

Dies habe er aus Neugier getan, insbesondere um nicht verstandene Passagen später mithilfe eines Online-Dienstes übersetzen zu lassen.

Neben den Umständen des Todes befasst sich das Verfahren auch mit finanziellen Fragen, darunter Testamente, Schenkungen und ein mögliches Motiv der Habgier.

Kontakt zu wohlhabenden Frauen

Einerseits soll die 71-Jährige in den Angeklagten verliebt gewesen sein, ihn bereits 2022 als Alleinerben in ein Testament eingesetzt und ihn kurz darauf mit einer umfangreichen Vermögensschenkung bedacht haben. Andererseits hatte der verschuldete Winzer – sein Weingut ist mittlerweile insolvent – laut Anklage immer wieder Kontakt zu wohlhabenden Frauen gesucht.

Krimi um Millionen-Vermögen

Für die 71-Jährige lag ein verbüchertes Wohnrecht vor, das sich wohl wertmindernd auf den angedachten und schuldendeckenden Verkaufspreis von 4,5 Millionen Euro ausgewirkt hätte.

Anwalt Michael Dohr vertritt den Winzer, ist von seiner Unschuld überzeugt.
Denise Auer

Verteidigung weist Vorwürfe scharf zurück

Die Verteidigung bestreitet vehement die Vorwürfe: Der 58-Jährige habe nur für die nach einem Schlaganfall bettlägerige Frau die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe geleistet, hatte Anwalt Michael Dohr bereits vor Prozesstart betont. Sein Mandant habe zudem kein Motiv für einen Mord gehabt. Die Frau habe den Steirer schon 2022 in einem Testament zum Alleinerben eingesetzt – von Habgier könne also keine Rede sein.

So geht es weiter

Am Freitag standen weitere Zeugenbefragungen am Programm, weiter geht es dann am 17. April, auch am 30. April ist ein Verhandlungstag vorgesehen – beim Verhandlungstag am 11. Mai soll dann ein Urteil fallen – es gilt die Unschuldsvermutung.

{title && {title} } wes,CW, {title && {title} } 10.04.2026, 13:03
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen