Mordprozess startet

Winzer soll Witwe getötet haben – wegen ihres Vermögens

Ein steirischer Weinbauer soll eine reiche Witwe mit einer "Magenschutz-Kur" getäuscht und getötet haben – um an ihr Vermögen zu kommen.
Erich Wessely
09.04.2026, 05:30
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Ein 57-jähriger Weinbauer aus der Steiermark steht im Zentrum einer spektakulären Mord-Anklage. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine wohlhabende Witwe gezielt getäuscht und getötet zu haben. Die Geschworenenverhandlung am Landesgericht St. Pölten ist für vier Tage bis 17. April anberaumt, Start ist heute Donnerstag, 9. April.

Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Laut Anklage soll er aus finanzieller Not gehandelt haben, da er Millionen-Schulden angehäuft hatte. Das Opfer: eine 70-jährige Frau mit großem Vermögen. Sie hatte sich nach einer Krankheit zunehmend auf den Angeklagten verlassen und war emotional stark von ihm abhängig.

Die Beziehung zwischen den beiden entwickelte sich über Jahre. Die Frau verliebte sich laut Ermittlern schwer in den Mann, der ihr im Gegenzug Liebe vorgespielt haben soll.

Millionen, Macht und Manipulation

Schon früh soll der Beschuldigte begonnen haben, sich Zugriff auf ihr Vermögen zu sichern. Die Frau setzte ihn als Erben ein und übertrug ihm Immobilien.

Nach einem Schlaganfall wurde sie pflegebedürftig – und damit noch abhängiger. Der Angeklagte soll zunehmend die Kontrolle über ihr Leben und ihre Finanzen übernommen haben. Gleichzeitig soll er ihr Umfeld isoliert haben. Freunde und Bekannte wurden schlechtgeredet, Kontakte reduziert.

Immer mehr Hinweise deuten laut Anklage darauf hin, dass es ihm vor allem ums Geld ging. Mehrere Frauen sollen ähnlich manipuliert worden sein.

Der tödliche Plan

Besonders brisant: Die Frau hatte ursprünglich eine Sterbeverfügung erstellt. Doch laut Ermittlungen wollte sie kurz vor ihrem Tod gar nicht mehr sterben.

Sie plante Termine, versöhnte sich mit ihrer Tochter und zeigte neuen Lebensmut. Zeugen berichten, dass sie ihren Sterbewunsch aufgegeben hatte. Genau zu diesem Zeitpunkt soll der Angeklagte seinen Plan umgesetzt haben. Er täuschte der Frau eine angebliche "Magenschutz-Kur" vor. Tatsächlich soll er das tödliche Medikament Natrium-Pentobarbital in Flüssigkeit aufgelöst und ihr bereitgestellt haben. Sie nahm es – ohne zu wissen, was es war.

Nacht des Todes

Am Abend des 7. März 2025 soll es zur Tat gekommen sein. Der Angeklagte blieb erstmals über Nacht bei der Frau.

Er bereitete laut Anklage das Gift vor und stellte es neben ihr Bett. Kurz darauf nahm die Frau das Mittel ein und verstarb. Besonders belastend: Kurz vor und nach dem Tod soll der Mann Telefonate geführt haben, in denen er die Tat ankündigte bzw. bestätigte.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er wusste, dass die Frau keinen Sterbewillen mehr hatte – und sie gezielt täuschte, um an ihr Vermögen zu kommen.

Zweiter Vorwurf: Versicherungsbetrug

Neben dem Mord wird dem Mann auch versuchter schwerer Betrug vorgeworfen. Gemeinsam mit einer Bekannten soll er einen Unfall fingiert haben. Dabei wurde ein bereits beschädigtes Auto absichtlich weiter ramponiert, um eine Versicherung zur Zahlung zu bewegen. Die Auszahlung wurde letztlich gestoppt, nachdem der Betrug aufflog. Dennoch bleibt der Vorwurf bestehen.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte bestreitet laut seinem Verteidiger Michael Dohr die Vorwürfe. Der 58-Jährige habe für die nach einem Schlaganfall bettlägerige, auf eine 24-Stunden-Pflege angewiesene Frau die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe geleistet, betonte Dohr. Sein Mandant habe zudem kein Motiv für einen Mord gehabt. Die Frau habe den Steirer schon 2022 in einem Testament zum Alleinerben eingesetzt.

Die 71-Jährige hatte dem Anwalt zufolge eine Sterbeverfügung in die Wege geleitet. Zwei Ärzte hätten die Frau wie vorgesehen unabhängig voneinander zu ihrem Entschluss, ihr Leben zu beenden, befragt. Der Mann ist nach Angaben von Dohr als "Hilfe leistende Person" im Sinne des Sterbeverfügungsgesetzes tätig geworden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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