Nach dem Fund eines mit Rattengift belasteten Hipp-Glas im Burgenland ziehen jetzt weitere Händler die Reißleine. Die Ermittlungen laufen derweil auf Hochtouren.
Das am Samstag in Schützen am Gebirge sichergestellte Glas war laut Polizei bei Spar in Eisenstadt gekauft worden. Auch ein weiteres Gläschen, das sich noch im Umlauf befinden dürfte, soll aus derselben Filiale stammen. Ein entsprechender Hinweis sei über deutsche Behörden an die österreichischen Ermittler weitergeleitet worden.
Der Fall hatte am Freitagabend für Aufsehen gesorgt, als ein Rückruf von Hipp-Babynahrung bei Spar Österreich bekannt wurde. Betroffen ist das Produkt "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" (190 Gramm). Seit Samstagabend steht der Verdacht im Raum, dass Rattengift beigemengt worden sein könnte. Gesundheitsministerium und AGES warnten daraufhin, dass "besondere Vorsicht geboten ist, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist".
Der Handel reagierte umgehend: Sämtliche betroffenen Produkte wurden aus den Regalen entfernt. "Bei 1500 Filialen in Österreich war das eine ordentliche Menge", sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Wie viele Gläser bereits von Kunden zurückgebracht wurden, ist noch unklar.
Auch andere Händler setzen Maßnahmen. Die Drogeriekette dm teilte mit, man nehme das Produkt vorsorglich aus dem Verkauf, obwohl es keine behördliche Anweisung gebe. Zusätzlich würden alle Hipp-Glaskost-Produkte auf mögliche Manipulationen überprüft. Kunden können betroffene Waren zurückgeben.
Die Rewe-Gruppe gab Entwarnung, nimmt jedoch ebenfalls vorsorglich das Produkt aus dem Sortiment. "Diese Rücknahme erfolgt rein präventiv, ohne Verdachtsmomente in unseren Märkten, ohne Anweisung der Behörden oder Firma Hipp", heißt es am Montag. Laut Angaben des Herstellers seien die Hipp-Gläser bei Billa, Billa Plus, Bipa und Adeg nicht betroffen.
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hat inzwischen Ermittlungen wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung aufgenommen. "Eine genaue toxikologische Untersuchung des sichergestellten Glases wurde angeordnet", erklärte Sprecherin Petra Bauer.
Auch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) rief zur Vorsicht auf: "Es ist zutiefst bestürzend, dass jemand offenbar bereit ist, aus kriminellen Motiven die Gesundheit von Babys zu gefährden." Sie appellierte an Eltern: "Seien Sie jetzt besonders wachsam, verwenden Sie das betroffene Produkt nicht und zögern Sie im Zweifel keine Sekunde, Hilfe zu holen – etwa bei der Notrufnummer 144 und der Vergiftungsinformationszentrale unter 01-4064343. Die Gesundheit Ihrer Kinder steht an erster Stelle."