Mehrere Brände gleichzeitig zeigen derzeit, wie angespannt die Lage in Österreichs Wäldern ist. Experten warnen: Schon kleinste Auslöser können verheerende Folgen haben.
Im Kärntner Lesachtal stehen aktuell rund 110 Hektar Wald in Flammen, ein Ende ist auch am Sonntagnachmittag nicht absehbar – ein "Brand aus" gibt es weiterhin nicht. Auch in der Steiermark kämpfen Einsatzkräfte gegen ein Feuer nördlich von Graz, wo sich der Brand am Wochenende auf etwa 50 Hektar ausgebreitet hat. Rund 350 Feuerwehrleute sind dort im Einsatz.
Doch damit nicht genug: Im Tiroler Seefeld brach in der Nacht auf Samstag ein Böschungsbrand aus, der nur durch rasches Eingreifen eingedämmt werden konnte. Am Abend wurde zudem ein weiterer Brand in Sölden gemeldet. Auch dort rückten mehrere Feuerwehren aus. Bereits Mitte der Woche hatten zwei spielende Kinder in Längenfeld ein Feuer ausgelöst, das sich durch Wind und Trockenheit auf rund 1.000 Quadratmeter ausweitete.
Laut Tirols Landes-Feuerwehrinspektor Rene Staudacher ist die aktuelle Situation besonders heikel: "Grundsätzlich herrscht in Tirol zwischen März und Mai die größte Waldbrandgefahr", erklärt er. "Da genügt schon ein geringer Funke, um einen Brand auszulösen."
Als Hauptproblem nennt der Experte die anhaltende Trockenheit. Seit Wochen fehlt es an nennenswertem Niederschlag, wodurch Gräser und Unterholz extrem leicht entzündlich sind. Verstärkt wird die Gefahr durch Wind und starke Sonneneinstrahlung. "Aktuell ist wirklich jegliche Zündquelle im freien Gelände, speziell in Wald- und Wiesennähe, zu hinterfragen", warnt Staudacher.
Zu den möglichen Auslösern zählen etwa weggeworfene Zigaretten, heiße Fahrzeugteile oder offene Feuerstellen. Besonders im Lesachtal kamen mehrere ungünstige Faktoren zusammen: Das Feuer wurde erst in der Nacht entdeckt, wodurch Löschflüge zunächst nicht möglich waren.
Zusätzlich wirkte liegengebliebenes Sturmholz wie Brandbeschleuniger – es konnte wegen des steilen Geländes bisher nicht entfernt werden. All diese Umstände führten laut Einschätzung dazu, dass sich das Feuer rasch zum "größten Waldbrand Kärntens seit Aufzeichnungsbeginn" entwickelte.
Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Um die Lage nachhaltig zu verbessern, bräuchte es laut Staudacher länger anhaltenden Regen: "Es müssten über mehrere Tage deutliche Niederschläge niedergehen, sodass die Feuchtigkeit auch im Boden aufgenommen werden kann", sagt er. "Es ist wirklich erhöhte Vorsicht geboten."