Überfüllte Gefängnisse und massive Personalprobleme: Am Mittwoch präsentierten die drei Volksanwälte ihren Parlamentsbericht 2025. Schon vorab wird klar: Die Situation in Österreichs Gefängnissen hat sich weiter zugespitzt.
"2025 haben wir 23 Sprechtage in Justizanstalten abgehalten und 1.145 Beschwerden von Inhaftierten wie auch Personal erhalten. Das ist eine Steigerung um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich fanden 23 Kontrollen unserer Bundeskommission statt", erklärt Schwarz.
Ein trauriger Höchststand sei bei den Suizidzahlen zu verzeichnen: "Bis Jahresende wurden der Volksanwaltschaft 59 versuchte und acht tatsächliche Suizide von Inhaftierten gemeldet. Diese Zahl ist alarmierend", betont die Volksanwältin.
Der Parlamentsbericht zeigt erneut problematische Haftbedingungen: "Die Situation im heimischen Strafvollzug hat sich weiter verschärft. Alle Gefängnisse sind überfüllt, der Personalmangel führt Justizanstalten an den Rand ihrer Belastbarkeit", warnt Schwarz.
Vor allem der Jugendstrafvollzug bereitet große Sorgen: 2024 waren 125 Jugendliche in Haft, Ende 2025 bereits 182 – ein Plus von rund 46 Prozent. "Aufgrund des Überbelags werden Jugendliche häufig gemeinsam mit Erwachsenen angehalten. Das ist eine dramatische Situation."
Konkrete Beispiele unterstreichen die Problematik: In St. Pölten musste wegen Überfüllung die Jugendabteilung schließen, vier Teenager wurden daraufhin mit Erwachsenen untergebracht. In der JA Wr. Neustadt waren im August 2025 fünf Jugendliche nicht in einer eigenen Abteilung untergebracht.
Auch die erst im Jänner 2026 eröffnete neue Jugendhaftanstalt am Münnichplatz in Wien-Simmering steht bereits massiv unter Druck: "Die Voraussetzungen waren nach vielen Hürden grundsätzlich gut. Doch mittlerweile ist der Münnichplatz bereits zu 114% ausgelastet", meint Schwarz. Unter den Insaßen befinden sich auch sechs Jugendliche (14 bis 17 Jahre), die sich am Montag vor dem Wiener Landl verantworten mussten – "Heute" berichtete.
Statt der vorgesehenen 72 Plätze sind am Münnichplatz aktuell 82 Jugendliche (Stand: 20.4.) untergebracht, nun wurde die maximale Auslastung von der Generaldirektion sogar auf 90 Plätze angehoben. Der Überbelag wird zum Teil durch Stockbetten kompensiert. Die für Jugendliche empfohlene Ein- oder Zweipersonenbelegung sowie die vorgegebene Mindesthaftraumgröße seien dadurch nicht mehr möglich. Enge Platzverhältnisse führen wiederum zu einem erhöhten Gewaltrisiko.
Auch Personalnot ist ein Thema: Für den Münnichplatz sind 60 Planstellen im Exekutivdienst geplant. Derzeit stehen allerdings nur 43 Personen zur Verfügung, davon zehn Dienstzuteilungen (teilweise ohne Vorkenntnisse über die Arbeit im Jugendstrafvollzug).
"Zu wenig Justizwachepersonal bedeutet wenig Beschäftigungsmöglichkeiten und hohe Einschlusszeiten für die jugendlichen Insassen. Es gibt zwar neue Sport- und Bewegungsmöglichkeiten im Innenhof. Doch ohne ausreichende Justizwachebeamte können sie nicht genützt werden. Diese Situation ist für das Personal und die Inhaftierten gleichermaßen untragbar. Wenn uns sowohl Bedienstete als auch Insassen beim Sprechtag sagen, dass dringend mehr Personal notwendig ist, schrillen bei mir alle Alarmglocken", so die Volksanwältin.
Positiv hebt Schwarz den Schulbetrieb und die medizinische Versorgung am Münnichplatz hervor: Demnach werden derzeit zwei Klassen mit drei Lehrkräften geführt. Weiters sind zwei Personen für die psychiatrische Versorgung im Einsatz, zudem gibt es drei Krankenpfleger.