Ein spektakulärer Prozess beschäftigte das Wiener Landesgericht zwei Tage lang: Ein 29-jähriger Wiener, seit Geburt gehörlos, musste sich nach einem dramatischen Polizeieinsatz wegen dreifachen Mordversuchs verantworten – nun ist das Urteil da: Freispruch vom Mordversuchsvorwurf, dennoch eine Einweisung!
"Die Anklage fußte auf einem einzigen Schritt, den er während des einminütigen Einsatzes auf die Polizisten zugegangen sein soll", hatte Verteidiger Alexander Prenner in einem flammenden Plädoyer, bei dem die Simultanübersetzerin für Gebärdensprache kaum nachkam, moniert.
Selbst die Staatsanwaltschaft relativierte bereits zu Beginn der Verhandlung: Der 29-Jährige sei "nicht der klassische Mörder" und habe womöglich nicht in böser Absicht gehandelt. Dennoch sei der Mann am 15. Juni bei einem Einsatz mit einem rosafarbenen Gemüsemesser auf WEGA-Polizisten losgegangen, ließ sich selbst durch acht Taser-Einsätze nicht stoppen.
Der 29-Jährige wurde von einer Kugel im Bauch getroffen und wurde noch im Innenhof des Hauses behelfsmäßig bei offenem Bauchraum notoperiert, lag tagelang im Koma. "Es ist ein Wunder, dass er überhaupt hier sitzt", so sein Anwalt Prenner. Aufgrund des Sachverständigen-Gutachtens, das ihn als unzurechnungsfähig einstufte, wurde eine Einweisung ausgeprochen. Die Anlasstat war ein Widerstand gegen die Staatsgewalt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.