Die neue Wiener Jugendstrafanstalt am Münnichplatz in Wien-Simmering (im Schloss Kaiserebersdorf aus dem 12. Jahrhundert) stand lange in der Kritik. Verzögerungen beim Start, MMA-Kämpfe unter Insassen und Personalmangel sorgten für Diskussionen – "Heute" berichtete mehrfach.
Nun liegt eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) vor – sie bringt neue Details zu Kosten, Problemen und dem aktuellen Stand der Anstalt. Die Jugendstrafanstalt befindet sich laut Justizministerium seit 1. Februar 2026 offiziell im Vollbetrieb.
Zuvor hatte es allerdings Verzögerungen gegeben. Das Gebäude wurde laut Ministerium von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) am 10. November 2025 übergeben, dabei wurden jedoch noch Mängel festgestellt, die bis Ende November behoben werden mussten.
Die Errichtungskosten der Justizanstalt beliefen sich laut Ministerium auf rund 4,725 Millionen Euro brutto. Wie jetzt bekannt wurde, kamen allerdings noch 427.186,32 Euro für die Ausstattung der Jugendstrafanstalt dazu – macht in Summe 5,152 Millionen Euro.
Interessanter Aspekt: Von den rund 427.000 Euro entfielen mehr als die Hälfte – exakt 244.350,27 Euro – auf neue Haftraum-Schlösser. 50.156,95 Euro wurden für Satelliten-Antenne, Kopfstation, TV-Geräte und CMND-Server aufgewendet, 34.975,09 Euro für Garderoben, Kühlschränke, Schwerlast-Regale sowie Aufbewahrungsboxen, 26.975,34 Euro für eine nicht näher definierte Haftraum-Ausstattung und 23.956,19 Euro für Büro-Ausstattung.
Ein weiteres Problem ist der Personalmangel: Von insgesamt 71 Planstellen waren Ende Jänner nur 48 besetzt. Es mussten daher Kapazitäten über die Justizbetreuungsagentur zugekauft werden. Um den Betrieb zu sichern, laufen derzeit zusätzliche Ausschreibungen für Justizwachebedienstete, erfolgen Dienstzuteilungen aus anderen Anstalten und werden neue Ausbildungsplätze für den Justizwachdienst geschaffen.
Besonders brisant: Berichte über MMA-ähnliche Einlagen unter Insassen und respektloses Verhalten im Gefängnis. Das Justizministerium bestätigt, dass entsprechende Vorfälle geprüft wurden. Laut Ministerium galten dabei die bundesweiten Sicherheitsstandards sowie ein internes Sicherheitskonzept.
Die Ereignisse wurden analysiert, außerdem seien Bedienstete zusätzlich sensibilisiert worden. Für Justizwachebeamte gibt es laut Ministerium umfangreiche Schulungen. Im Zentrum steht die sogenannte 4D-Strategie: Dialog, Deeskalation, Durchsetzen und Distanz. Diese soll Konflikte möglichst ohne Gewalt lösen. Ergänzend gibt es Trainings zu Krisengesprächen, Konfliktmanagement und psychologischer Betreuung.
Im Münnichplatz soll ein moderner Jugendstrafvollzug umgesetzt werden. Geplant sind unter anderem zwei Pflichtschulklassen, Ergotherapie, Trainingsprogramme für soziale Kompetenzen, Lehrwerkstätten und Schnupperlehren sowie digitale Lernplattformen. Coaches sollen außerdem helfen, Jugendliche nach der Haft wieder in Schule oder Ausbildung zu integrieren.
Die Grundlagen für das neue Jugendgefängnis wurden von einer Expertengruppe zum Jugendvollzug erarbeitet. Daran beteiligt waren unter anderem das Justizministerium, Richter- und Staatsanwaltsvereinigungen, die Volksanwaltschaft, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Jugendanwaltschaft und der Verein Neustart.