Laut einem Bericht von unabhängigen Experten zwingt Russland viele ukrainische Männer und Buben in den besetzten Gebieten in ein System der militärischen Indoktrination. Ziel ist es, sie für die russische Armee zu gewinnen.
Das russische Vorgehen könnte ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, den die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in Auftrag gegeben hat.
Die lettische Expertin Elina Steinerte sagt, dass die Behörden in den von Russland besetzten Gebieten Einberufungsbefehle an Ukrainer verschicken, um sie schon in jungen Jahren in Russland zum Militärdienst zu bringen.
In Ausbildungslagern werden sie im Umgang mit Waffen geschult. Es gibt auch dokumentierte Fälle, in denen junge Männer gleich nach der Einberufung an die Front geschickt wurden. Kinder, Eltern und Lehrer geraten ins Visier der russischen Behörden, wenn sie versuchen, ihre ukrainische Identität zu bewahren, erklärt der französische Forscher Hervé Ascensio.
"Wir sind der Ansicht (...), dass dieses System der Indoktrination und Militarisierung den Tatbestand des Verbrechens gegen die Menschlichkeit erfüllt." Die Experten schätzen, dass rund 1,6 Millionen junge Ukrainer in den besetzten Gebieten gefährdet sind, in dieses System zu rutschen.
Der Bericht entstand im Rahmen des sogenannten Moskauer Mechanismus, einem Instrument der OSZE, um Menschenrechtsverletzungen im Ukraine-Krieg zu untersuchen. Anfang Juni befragten die Experten Betroffene in der Ukraine. Russland verweigerte die Zusammenarbeit.