Rund eine Million Menschen leben in Österreich mit einer schwachen Blase. Rund 150.000 der Betroffenen sind männlich, und es werden mehr.
Die Ursachen sind vielfältig: altersbedingte Veränderungen, Erkrankungen der Prostata oder neurologische Störungen. Das Problem: Trotz arger Beschwerden samt Auswirkungen auf die Lebensqualität suchen viele Patienten aus Scham oft erst spät medizinische Hilfe.
Wann spricht man von Inkontinenz?
Von Inkontinenz beim Mann spricht man, wenn es wiederholt oder regelmäßig zu unwillkürlichem Urinverlust kommt. Die Blasenentleerung kann dann nicht mehr zuverlässig kontrolliert werden.
"Die Menge des Urins spielt dabei keine entscheidende Rolle – auch kleinere, aber regelmäßig auftretende Verluste gelten bereits als Inkontinenz", erklärt Oberarzt Mike Faber-Keiper, Urologe am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.
Gelegentliches Tröpfeln nach dem Wasserlassen ist noch nicht zwingend krankhaft. Treten derartige Beschwerden jedoch häufiger auf, verstärken sie sich oder beeinträchtigen den Alltag, dann handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Form.
Bedeutet: Sobald ein Mann unkontrolliert Urin verliert, sollte das unbedingt medizinisch abgeklärt werden. Denn oft stecken gut behandelbare Ursachen dahinter.
Besonders häufig sind Prostataerkrankungen oder auch Folgen von Operationen, die den Harnfluss oder den Schließmechanismus beeinträchtigen können. Eine Schwäche des Beckenbodens, eine überaktive Blase mit starkem Harndrang und Nervenschäden, etwa durch chronische Erkrankungen, spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.
"Zusätzlich können Infektionen, bestimmte Medikamente oder Lebensstilfaktoren wie Überge-wicht, Alkohol oder Nikotin die Beschwerden verstärken“, weiß Experte Faber-Keiper. Auch das Alter sei vielfach eine Ursache bei der Entstehung von Inkontinenz, wenn körperliche Veränderungen und Erkrankungen häufiger werden.
Die Behandlung richtet sich nach Auslöser und Schweregrad. "Zunächst kommen konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Blasentraining und eine Anpassung des Lebensstils zum Einsatz", so der Mediziner. Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden, die die Blase beruhigen oder den Harnfluss verbessern, vor allem bei Prostatavergrößerungen.
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, stehen minimalinvasive oder operative Verfahren zur Verfügung: beispielsweise das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels oder von speziellen Schlingen zur Verschlussunterstützung der Harnröhre. Ziel aller Behandlungen ist es, die Kontrolle über die Blase zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern.
Abschließend ein wichtiger urologischer Rat für alle Männer: "Wer bei seinem Stammtischbesuch immer als Letzter das WC aufsucht, greift womöglich als Erster zum Blasenkatheter", erklärt Faber-Keiper. Wenn man den Harndrang ständig ignoriere, riskiere man eine Überdehnung der Blasenwand und damit eine Inkontinenz.
Mindestens genauso wichtig ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung. Sie wird für Männer ab 45 Jahren bei niedergelassenen Urologen empfohlen.