Lithiumbatterien stecken heute in Smartphones, E-Bikes, Werkzeugen, Spielzeug oder Akkusaugern. Doch genau diese kleinen Energiespeicher entwickeln sich zunehmend zu einem Sicherheitsproblem. Immer öfter landen sie im Restmüll statt an einer Sammelstelle. Das kann schwere Folgen haben, denn beschädigte Lithiumbatterien können Brände auslösen. Nun bringt der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) einen neuen Vorschlag ins Spiel: Wer eine Lithiumbatterie richtig zurückgibt, soll dafür Geld erhalten.
Beim zweiten Runden Tisch zu Batteriebränden, zu dem Umweltminister Norbert Totschnig eingeladen hatte, diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Abfallwirtschaft über weitere Maßnahmen gegen die steigende Zahl an Bränden. Im Mittelpunkt stand dabei ein Cashback-System, das die korrekte Rückgabe von Lithiumbatterien finanziell belohnen soll.
Nach den Vorstellungen des VOEB soll für jede einzelne Lithiumbatterie ein Geldbetrag ausbezahlt werden. Je nach Größe der Batterie wären das zwischen 50 Cent und 50 Euro. Das System würde kleine, mittlere und große Lithiumbatterien umfassen. Der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Pfandsystem: Nicht nur neu gekaufte Produkte würden erfasst.
Auch Batterien, die sich bereits seit Jahren in österreichischen Haushalten befinden, könnten zurückgegeben werden. Gerade dort lagern Millionen alter Akkus in Schubladen oder Kellern und werden früher oder später entsorgt. Geplant ist, dass beim Kauf eines Produkts mit Lithiumbatterie ein Cashback-Beitrag eingehoben wird. Wer später eine gleichwertige Batterie zurückbringt, erhält diesen Betrag wieder ausbezahlt. Eine zentrale Clearingstelle soll die Geldflüsse verwalten.
Der Hintergrund für den Vorschlag ist ernst. Nach Angaben des VOEB hat sich die Zahl falsch entsorgter Lithiumbatterien im Restmüll innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Gleichzeitig steigen die durch Batterien verursachten Brände in der Abfallwirtschaft weiter an. Eine Studie der Montanuniversität Leoben kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich rund 17 Millionen Lithiumbatterien im österreichischen Restmüll landen. Das entspricht mehr als acht Lithiumbatterien pro Tonne Restmüll.
Grundlage der Untersuchung waren Sortieranalysen aus mehreren Bundesländern sowie ein 18-jähriges Monitoring von Brandereignissen zwischen November 2007 und Oktober 2025. Studienautor Thomas Nigl warnt: "Die Zahl der Brände ist nur die Spitze des Eisbergs, da viele Brandereignisse gar nicht erfasst werden. Wir gehen davon aus, dass der tatsächliche Anteil batteriebedingter Brände viel höher liegt. Vor allem die Brandereignisse der letzten zwei Jahre liegen deutlich über dem langfristigen Trend, ebenso zeigen sich neue Extremwerte bei Branddauer, Abfallmenge und Schadenssumme."
Eine zweite Untersuchung des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) hat die wirtschaftlichen Folgen eines Cashback-Systems berechnet. Demnach könnten innerhalb von fünf Jahren Brandschäden in Haushalten, Gemeinden und Unternehmen im Ausmaß von insgesamt 480 Millionen Euro vermieden werden. Studienautor Herwig Schneider erklärt: "Ein Cashback-System für Lithiumbatterien könnte innerhalb von fünf Jahren Brandschäden von rund 480 Millionen Euro verhindern.
Die dadurch verhinderten Schäden in Haushalten, Gemeinden und Unternehmen tragen dazu bei, Kostensteigerungen zu begrenzen und einen Anstieg der Abfallgebühren abzuwenden. Die Kaufkraft der Haushalte wird gestärkt, was zusätzliche wirtschaftliche Impulse setzt." Laut Studie könnte zusätzlicher Konsum außerdem jährlich 45 Millionen Euro zusätzliche Nachfrage nach heimischen Gütern auslösen. Die Produktion würde demnach um 83 Millionen Euro steigen, die Wertschöpfung um 46 Millionen Euro. Für die öffentlichen Budgets errechnen die Studienautoren Mehreinnahmen von rund 18 Millionen Euro pro Jahr.
Neben der Brandgefahr spielt auch das Recycling wertvoller Rohstoffe eine wichtige Rolle. Lithiumbatterien enthalten unter anderem Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan. Werden sie richtig gesammelt, können diese Rohstoffe wiederverwendet werden. Bis zum Jahr 2030 schreibt die Europäische Union eine Sammelquote von 73 Prozent für Gerätebatterien vor. Österreich erreicht derzeit laut den vorgelegten Daten lediglich rund 53 Prozent. Nach Einschätzung der Studienautoren wäre dieses Ziel ohne zusätzliche Anreize kaum erreichbar. Mit einem Cashback-System könnte die Vorgabe dagegen sogar übertroffen werden.
Umweltminister Norbert Totschnig betonte: "Beim ersten Runden Tisch haben wir uns darauf verständigt, rasch konkrete Maßnahmen gegen Batteriebrände auf den Weg zu bringen. Seither haben wir gemeinsam mit allen Beteiligten wichtige Schritte gesetzt, von der Fortsetzung der Informationskampagne über erleichterte Rückgabemöglichkeiten bis hin zu Initiativen auf europäischer Ebene. Die heute vorgestellten Studien liefern eine wertvolle Grundlage für die weitere Arbeit. Deshalb wollen wir die noch offenen fachlichen, rechtlichen und praktischen Fragen gemeinsam mit der Abfallwirtschaft, dem Handel und den Herstellern in einer gemeinsamen Taskforce vertiefen und die konkrete Ausgestaltung eines möglichen Pilotprojekts für eine sichere und effiziente Rücknahme von Lithiumbatterien erarbeiten."
Nach den Vorstellungen des VOEB soll die Rückgabe künftig nicht nur an bestehenden Sammelstellen möglich sein. Diskutiert werden außerdem digitale Lösungen wie Apps, KI-gestützte Erkennungssysteme, smarte Sammelboxen und Rückgabeautomaten. VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly sieht darin eine notwendige Maßnahme: "Falsch entsorgte Lithiumbatterien stellen seit Jahren ein zentrales Sicherheitsrisiko für die gesamte österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft dar. Die zerstörerischen Brände der letzten Jahre haben klar gezeigt, dass selbst der modernste Brandschutz unsere Beschäftigten und Betriebe nicht vor brennenden Lithiumbatterien schützen kann. Wir sind überzeugt: Nur ein finanzieller Anreiz wird dazu führen, dass die gefährlichen Brandstifter korrekt entsorgt werden. Nun haben wir eine Lösung vorgelegt, die sofort wirksam und wirtschaftlich nachhaltig ist."
Auch Studienautor Schneider hält rasches Handeln für notwendig. "Nichts tun ist keine Option: Das bedeutet mehr Brände und Kosten für alle. Wir haben unterschiedliche Varianten durchgerechnet und die beste Lösung ist ganz klar ein Cashback für jede einzelne Lithiumbatterie, die sich in Österreichs Haushalten befindet oder neu in Umlauf gebracht wird." Ob und wann ein entsprechendes Pilotprojekt tatsächlich umgesetzt wird, soll nun eine gemeinsame Taskforce prüfen.