Der Gepard zählt zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren. "Nach der letzten Schätzung auf der Roten Liste der IUCN (Weltnaturschutzunion; Anm.) von 2024 gibt es nur noch 6.500 Tiere", erklärte Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni. Sie ist eine der Co-Autorinnen einer neuen Studie, die im Fachjournal "Communications and Earth Environment" veröffentlicht wurde. Diese Raubkatzen sind aus 91 Prozent ihres ursprünglichen Lebensraums verschwunden. Das betrifft auch Saudi-Arabien, wo seit Jahrzehnten kein Gepard mehr gesehen wurde.
In mehreren Höhlen nahe der nordsaudischen Stadt Arar hat ein Forschungsteam unter Leitung des saudi-arabischen National Centre for Wildlife zufällig sieben natürlich mumifizierte Geparden und Skelettreste von 54 weiteren Geparden sowie deren mutmaßlicher Beute entdeckt. Mithilfe von Radiokarbondatierung konnte das Alter der Funde bestimmt werden: Manche Überreste sind etwa 130 Jahre alt, die ältesten sogar über 4.000 Jahre. Röntgenuntersuchungen zeigen, dass viele Jungtiere darunter waren. Daraus schließen die Forscher, dass die Höhlen als Wurf- und Ruheplätze genutzt wurden.
Die Mumifizierung der Raubkatzen passierte auf natürliche Weise. Vermutlich sorgten die trockenen Bedingungen und die gleichmäßigen Temperaturen in den Höhlen für den außergewöhnlich guten Erhaltungszustand. Für das Forschungsteam bedeuten diese Funde "eine wertvolle Gelegenheit, die Evolutionsgeschichte der Geparden in ihrem ehemaligen Verbreitungsgebiet zu erhellen", wie sie in ihrer Veröffentlichung schreiben.
Früher lebten verschiedene Unterarten des Gepards auf der Arabischen Halbinsel. "Die jüngste Mumie gehört klar zur stark bedrohten asiatischen Unterart A. j. venaticus", erklärte Burger. Von dieser Unterart leben heute nur noch rund 50 Tiere in freier Wildbahn, und zwar im Iran. Ältere Funde aus den Höhlen dürften eher der westafrikanischen Unterart A. j. hecki zuzuordnen sein. Das Forschungsteam geht daher davon aus, dass auf der saudi-arabischen Halbinsel lange Zeit verschiedene genetische Linien vorkamen.
In Schönbrunn kam erst unlängst entzückender Geparden-Nachwuchs zur Welt:
Das Wissen über die früher in Saudi-Arabien heimischen Unterarten könnte bei künftigen Wiederansiedelungen helfen. Dabei könnten Unterarten ausgewählt werden, die den in den Höhlen gefundenen Geparden am ähnlichsten sind.
"Am besten wären die historisch verbreiteten Unterarten A. j. hecki und A. j. venaticus", sagte Burger. Von diesen, auf der IUCN Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" geführten Tieren, gibt es aber zu wenige, um genug Individuen für eine Übersiedlung aus der Wildnis zu entnehmen.
Für Wiederansiedlungen würde sich daher die geografisch am nächsten gelegene und auch genetisch verwandte Unterart A. j. soemmeringii anbieten. Diese wird etwa in einem Zentrum in den Vereinigten Arabischen Emiraten nachgezüchtet. Danach käme die südafrikanische Unterart A. j. jubatus in Frage, für die es bereits erfolgreiche Wiederansiedelungsprojekte im südlichen Afrika gibt.
In Saudi-Arabien selbst laufen laut Burger verschiedene Projekte und es entstehen neue Schutzgebiete. "In privaten Schutzregionen von Scheichs sind Wiederansiedelungen von der Arabischen Gazelle bereits erfolgreich und es werden nun auch innerhalb von Naturparks Wiederansiedelungen von Geparden geplant", erklärte die Wildtierbiologin.