Veronika und Sebastian Bohrn Mena gehen mit einem Anwalt gegen Hass im Netz vor – mehr als 250 Klagen sollen es sein, eine der größten Klagsserien in Österreich. Dabei geht es um übelste Beschimpfungen gegen Veronika und Sebastian Bohrn Mena auf Social-Media-Kanälen. Adressaten sind User, Profilinhaber, aber auch Personen, die Likes verteilen. Oft richten sich Klagen gegen FPÖ-Repräsentanten – laut "Standard" sollen es über 55 sein.
Einige Gerichtsprozesse waren bereits im Gange, von einem schockierenden Vorfall berichtet nun Sebastian Bohrn Mena auf seiner Facebookseite.
"Eine Gruppe von Männern stand rauchend vor dem Gerichtsgebäude, in dem kurz zuvor meine Verhandlung stattgefunden hatte. Als ich an ihr vorbeiging, rief einer unüberhörbar laut: 'Es gibt keinen Menschen auf der Welt, dem ich so gerne eine in die Goschen hauen würde, wie dem Bohrn Mena'", so der Vorwurf in dem Posting.
Genau dieser Vorfall soll sich vergangene Woche an einem Vormittag in Krems ereignet haben: "Ich habe darauf nicht reagiert. Ich bin weitergegangen, auf den Boden starrend. Nicht, weil mich das nicht verletzt hätte. Nicht, weil ich nicht Lust hatte, hier Grenzen zu setzen. Aber es wäre vielleicht eskaliert. Und was dann? Ich könnte mich schon ganz gut körperlich verteidigen, ich bin 1,90 Meter groß und nicht gerade zierlich. Aber ich verabscheue Gewalt. Und auf billige Provokation steige ich grundsätzlich nicht ein. Aber dieser Fall hat mich aufgewühlt. Denn er ist so bezeichnend für das, was wir erleben."
Die Männer seien schon zuvor bei der Verhandlung als Zuschauer anwesend gewesen. "Dort hatten sie sich spöttisch geäußert, jedes Mal, wenn ich am Wort war. Es war ein Prozess, in dem sich eine Person verantworten musste, die sich massiv rufschädigend über meine Frau und mich geäußert hatte."
Bohrn Mena führt aus: "Und trotzdem wurde ich von ihr – und ihren angereisten Unterstützern – als Täter hingestellt. Diese Rollenumkehr erleben wir jeden Tag. Wir werden tausendfach bedroht, diffamiert und beleidigt, aber am Ende sind wir angeblich selbst schuld daran. Und unsere Klagen wären "Rechtsmissbrauch". Wir haben es hier mit Menschen zu tun, deren Radikalisierung bereits sehr weit fortgeschritten ist. Leute, die sogar an einem Werktag nach Krems reisen, um dort einen Menschen, den sie nicht persönlich kennen, vor Gericht zu verhöhnen und auf der Straße zu bedrohen. Das ist bedenklich."
Nein, das Erlebte schüchtere ihn nicht ein. Es bestärkt ihn: "Aber ich glaube, es ist wichtig, dass alle sehen, womit wir es da zu tun haben. Hier geht’s um Hass, online und offline. Der verletzt und der gefährdet. Und das betrifft nicht nur uns, sondern unsere Demokratie. Wenn wir diejenigen, die diesen Hass gezielt schüren und in Reichweite, Wählerstimmen oder Geld verwandeln, nicht stoppen, dann kippt unsere Gemeinschaft. Es ist noch nicht zu spät, aber wir müssen endlich die ganze Dimension des Problems begreifen. Wegschauen macht es nur noch größer."