Eine Suspendierung pro Tag: So dramatisch ist die Lage an steirischen Schulen im noch jungen Schuljahr. Fliegende Sessel, Tische und Fäuste sorgen weiterhin für massive Probleme in den Klassenzimmern. Bereits nach gerade einmal 30 Schultagen wurde die Marke von 30 Suspendierungen erreicht.
FSG-Lehrervertreter Florian Gollowitsch spricht von einer Suspendierung pro Tag. Auch Bernhard Just, Präsidialleiter der Bildungsdirektion Steiermark, bestätigt diese Größenordnung: "Wir haben die 30er-Schwelle schon erreicht", heißt es in der "Kleinen Zeitung".
Damit liegt die Zahl bereits jetzt über jener des Vorjahres. Eine Suspendierung wird allerdings nicht wegen jeder Auseinandersetzung ausgesprochen. Voraussetzung ist eine akute Gefährdungslage für den betroffenen Schüler selbst oder andere Personen an der Schule.
Warum die Zahl der Suspendierungen steigt, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Bildungsdirektion geht nicht automatisch davon aus, dass die Gewalt tatsächlich im selben Ausmaß zugenommen hat. "Wir haben die Vermutung, dass das Instrument mehr bekannt ist", sagt Just.
Erstmals sollen die Fälle in diesem Schuljahr genauer untersucht und nach ihren Ursachen sortiert werden. Eine Auswertung ist für das Semesterende geplant.
Auch die Polizeistatistik zeigt einen deutlichen Anstieg: 2025 wurden in der Steiermark 433 Anzeigen mit der Tatörtlichkeit Schule oder Bildungseinrichtung registriert. Das sind um 23,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Anzeigen im Zusammenhang mit dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht enthalten.
Bei der Polizei führt man den Anstieg vor allem auf häufigere Drohungen an Schulen und eine stärkere Sensibilisierung der Lehrpersonen zurück.
Positiv bewerten sowohl Gollowitsch als auch Just die verpflichtende Suspendierungsbegleitung. Diese laufe gut. Für den Lehrervertreter reicht sie allein aber nicht aus. Vor allem bei der Prävention sieht er noch großen Handlungsbedarf.
"Multiprofessionelle Teams können enorm viel Zündstoff rausnehmen", sagt Gollowitsch. Denn wenn eine Situation bereits eskaliert ist, könne man nur noch reagieren. In manchen Fällen seien auch die Direktorinnen und Direktoren mit der Situation überfordert – etwa bei Massenschlägereien. "Stellt man dann einen Suspendierungsantrag für vier oder fünf Schüler gleichzeitig?", fragt der Lehrervertreter.
Für ihn steht fest: Suspendierungen seien keine dauerhaften Lösungen. Auch die Erziehungsberechtigten nimmt er in die Pflicht: "Das Versagen beginnt zuhause."