Bei schweren Zusammenstößen zwischen regierungskritischen Demonstranten und der Polizei sind in Tirana, der Hauptstadt von Albanien, mehrere Menschen verletzt worden. Laut Angaben der Polizei vom Dienstag wurden mindestens 16 Polizisten verletzt und 13 Personen festgenommen. Unterstützer der Opposition haben Molotow-Cocktails und Steine auf Regierungsgebäude geworfen. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtet haben.
Die Proteste sind Teil einer ganzen Serie von Kundgebungen, zu denen Oppositionschef Sali Berisha aufgerufen hat. Dabei wurden unter anderem der Sitz der Regierung und das Parlament attackiert. Einige Demonstranten zündeten Feuerwerkskörper. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und setzte Wasserwerfer ein, um die Menge auseinanderzutreiben.
Berisha, der ehemalige Ministerpräsident und Chef der rechtsgerichteten Demokratischen Partei, sagte: "Ein Abgeordneter meiner Partei wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht."
In der albanischen Politik geht es oft heftig zur Sache. Die Parteien werfen einander regelmäßig Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor und beleidigen sich gegenseitig.
Aktuell erschüttert ein Korruptionsskandal die Regierung des sozialistischen Regierungschefs Edi Rama. Vize-Regierungschefin Belinda Balluku, eine enge Vertraute von Rama, wurde im November des Vorjahres von einem Anti-Korruptionsgericht suspendiert – wegen angeblicher Verstrickung in einen Korruptionsfall rund um öffentliche Aufträge. Rama nannte die Suspendierung einen "brutalen Eingriff in die Unabhängigkeit der Exekutive".
Auch Berisha selbst steht unter Verdacht, öffentliche Aufträge an seine Vertrauten vergeben zu haben. Er weist die Vorwürfe aber entschieden zurück. Für den 20. Februar hat er zu weiteren Protesten aufgerufen.
Korruption und organisierte Kriminalität sind große Hürden für den EU-Beitritt Albaniens. Der Bürgermeister von Tirana, Erion Veliaj, wurde im Februar des Vorjahres wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäsche festgenommen. Zwei Ex-Minister von Rama stehen wegen Unterschlagung und Amtsmissbrauchs vor Gericht. Auch der ehemalige Präsident Ilir Meta wurde im Oktober 2024 festgenommen – ihm werden Korruption und Geldwäsche vorgeworfen.