Der Goldschakal wandert vom Balkan quer durch Europa und ist mittlerweile auch in Österreich angekommen. In allen Bundesländern, außer in Vorarlberg, gibt es schon Nachweise dieser Wildtierart. Im Ländle soll es zwar einzelne Sichtungen gegeben haben, aber laut dem Landes-Wildökologen Schatz konnten diese bisher nicht fachlich bestätigt werden.
Auch im benachbarten Graubünden und am deutschen Bodenseeufer im Landkreis Konstanz wurde der Goldschakal schon gesichtet. Im Landkreis Konstanz ist er mittlerweile sogar mehr als nur ein seltener Gast. Für die Jahre 2024 und 2025 gibt es bereits "bestätigte Reproduktionsnachweise", wie der Südkurier unter Berufung auf den Wildtierbeauftragten des Landkreises schreibt. Das heißt, die Goldschakale haben dort schon Nachwuchs bekommen.
Die Tiere suchen sich vor allem Gebiete aus, wo es wenige oder gar keine Wölfe gibt, erklärt die österreichische Wildtierökologin Jennifer Hatlauf von der BOKU in Wien. Hatlauf war an einer internationalen Studie zum Goldschakal beteiligt, die Ende Mai vorgestellt wurde, und leitet ein eigenes Projekt zum Goldschakal in Österreich.
„Die Tiere suchen sich vor allem Gebiete aus, wo es wenige oder gar keine Wölfe gibt“
Da es hierzulande aktuell nur wenige Wölfe gibt, können sich die Schakale leichter ausbreiten. In Ländern wie Kroatien oder Bulgarien, wo stabile Wolfsrudel leben, meiden Schakale diese Regionen. Dort, wo Wölfe vorkommen, halten sie sich lieber in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf, weil Wölfe diese meiden. Menschen bieten den Schakalen also ungewollt einen gewissen Schutz, so die Wissenschaftlerin.
Der Goldschakal (Canis aureus) ist eng mit dem Wolf verwandt und der einzige Schakal, der in Europa vorkommt. Schakale gelten generell nicht als gefährlicher als Wölfe – weder für Menschen noch im Vergleich zu anderen Tierarten. Der Goldschakal, der bei uns heimisch ist, ist deutlich kleiner und weniger kräftig als der Wolf.
Bemerkenswert ist, dass Goldschakale extrem anpassungsfähig sind. Zwar gelten wärmere und schneearme Regionen als besonders geeignet, aber immer mehr Nachweise zeigen, dass die Tiere auch alpine Lebensräume nutzen. Weil noch viele Zusammenhänge nicht ausreichend erforscht sind, betont die Wissenschaftlerin, dass es weiterhin viel Forschungsbedarf gibt. Bei einer Untersuchung an fast 9.000 Standorten zeigte die Studie, dass Schakale oft auf abgespielte Gruppenrufe reagieren, um ihr Revier zu markieren.
„Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Goldschakal weder ein Heilsbringer noch ein Schädling. Es handelt sich um eine natürliche Ausbreitung, die jedenfalls wissenschaftlich beobachtet werden sollte“Jennifer HatlaufBOKU Wien
Gebiete mit Gewässern, lichten Wäldern und wenig Schnee sind besonders attraktiv für die seltenen Tiere. In Österreich gelten vor allem tiefer gelegene, wärmere und strukturreiche Gegenden mit wenig Schnee als geeignet – also viele außer alpine Regionen im Osten und Südosten. Aber auch das Inntal in Tirol und die Gegend um den Bodensee wären laut der veröffentlichten Karte in der Fachpublikation ein guter Lebensraum für Goldschakale.