1:1-Nervenschlacht – Österreich fährt zum ersten Mal seit 28 Jahren zur Fußball-WM! Das ÖFB-Team ringt im großen Quali-Finale in Wien Bosnien im Kampf um Gruppen-Platz 1 nieder und sichert sich das Fixticket für die WM 2026 in Kanada, den USA und Mexiko. Michael Gregoritsch (77.) erlöst Rot-Weiß-Rot nach dem Fehlstart und dem 0:1 durch Ex-Austrianer Haris Tabakovic (12.).
48.500 fiebern im randvollen Happel-Stadion mit. Ein Sieg hätte Bosnien gereicht, um Österreich ins Play-off zu stoßen. Das ÖFB-Team verteidigt den Gruppensieg, schickt die Gäste im kommenden März ins undankbare Play-off: 16 Teams, darunter Kracher wie Italien, Polen und Schweden, kämpfen um nur 4 verbleibende Tickets.
Für Rot-Weiß-Rot beginnen stattdessen die Planungen für die historische Endrunde. Exakt 10.010 Tage seit dem letzten WM-Spiel von Österreich – einem 1:2 gegen Italien – schafft es Teamchef Rangnick mit seinen Stars auf die größte Fußball-Bühne der Welt.
Das Spiel beginnt mit viel Feuer von Seiten der Österreicher. Der vielversprechende Beginn mit hohen Balleroberungen und viel Elan verpufft ebenso wie die ausgezeichnete Stimmung auf den Rängen abrupt.
Konrad Laimer verliert einen wichtigen Zweikampf auf dem rechten Flügel. Bosnien bekommt einen Eckball. Kevin Danso kann nur bis an die Strafraumgrenze klären – der Ball wird zum Bumerang. Und ausgerechnet Ex-Austria-Stürmer Haris Tabakovic steht in Wien goldrichtig, nickt zum 1:0 für die Gäste ein (12.). Erinnerungen an das bittere K.o. gegen die Türkei bei der EURO werden wach, als dem ÖFB-Team ebenfalls Eckbälle zum Verhängnis wurden.
In einer zähen restlichen Halbzeit, in der von den Rängen nur mehr tausende bosnischen Fans zu hören sind, arbeiten sich die Rangnick-Kicker zurück in die Partie. Und werden – scheinbar – belohnt. Denn: Laimer gewinnt erst einen Zweikampf in der eigenen Hälfte, wird dann vor dem gegnerischen Strafraum ideal von Marko Arnautovic eingesetzt, der Ball zappelt nach einem strammen Weitschuss im Netz. Das umjubelte 1:1 zählt zunächst, wird aber nach minutenlangem Videostudium von Referee Joao Pinheiro zurückgenommen. Grund: Der angesprochene Zweikampf, in dem Amar Memic nach leichtem Kontakt theatralisch zu Boden ging. Gellende Pfiffe der Fans und die Proteste der ÖFB-Stars helfen nichts, es geht mit 0:1 aus der Pause.
Aus dieser geht Österreich wieder als klar aktiveres Team hervor. Marcel Sabitzer, Arnautovic und Co. erhöhen die Schlagzahl gefühlt mit jeder Minute. Zeitgleich steigt aber auch spürbar die Anspannung.
Teamchef Rangnick greift in Minute 59 ein: Mit Michael Gregoritsch kommt ein klarer "Neuner" für Flügelspieler Patrick Wimmer. Zuvor gingen zu viele Flanken an die größenmäßig überlegenen Bosnier. An der Durchschlagskraft ändert er zunächst nichts. Aber dann macht es der Mittelstürmer wie zuvor Tabakovic: Er steht goldrichtig.
Eine Flanke wird von Arnautovic verlängert, geht an die Querlatte. Den Abpraller tritt Gregoritsch humorlos unter das Dach – 1:1 (77.).
Bosnien, das sich seit der glücklichen Führung nur aufs Verteidigen konzentriert hat, findet auch jetzt kein Rezept mehr, einen Zielspurt hinzulegen. Gregoritsch lässt in der 89. Minute sogar noch die große Chance auf den Siegestreffer liegen.