Wegen der wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Grönland wollen die Außenminister von der Arktis-Insel und Dänemark am Mittwoch das Gespräch mit der US-Regierung suchen. Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen und seine grönländische Kollegin Vivian Motzfeldt treffen dafür im Weißen Haus US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio.
Trump hat in den letzten Wochen immer wieder Anspruch auf Grönland erhoben. Er begründet das mit den amerikanischen Sicherheitsinteressen in der Arktis. Auch den Einsatz von militärischer Gewalt hat er nicht ausgeschlossen – ein Tabubruch und eine Wende in der internationalen Politik. Grönland ist ein autonomes Gebiet und gehört zum Königreich Dänemark, das – genauso wie die USA – Mitglied der Nato ist.
Trump hat außerdem die Menschen im Iran indirekt dazu aufgefordert, das Mullah-System zu stürzen. "Protestiert weiter – übernehmt eure Institutionen", schrieb Trump am Dienstag auf seinem Onlinedienst Truth Social an die "iranischen Patrioten", die seit gut zwei Wochen gegen die Führung in Teheran auf die Straße gehen. "Hilfe ist unterwegs", fügte er hinzu. Trump denkt nach Angaben des Weißen Hauses weiterhin über einen Militäreinsatz gegen den Iran nach.
Was steckt hinter Trumps Drohungen und wie ernst sind sie? Das ordnete am späten Dienstagabend der Militäranalytiker Walter Feichtinger in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf ein. Dass "Hilfe unterwegs" sei, sei eine "sehr kryptische Ansage" an die Menschen im Iran, so der Brigadier. "Sie kann alles oder nichts heißen." Es könne nach bisheriger Erfahrung aber bedeuten, dass die Oppositionskräfte mit Kommunikationsmitteln unterstützt würden.
Mit dem "Wundermittel Starlink" wäre "sicher etwas möglich", so Feichtinger. Außerdem könne man "durch elektronische Kampfführung" die Kommunikation des iranischen Sicherheits-Apparats stören. "Ich gehe nicht davon aus, dass es jetzt in absehbarer Zeit schon zu einem Militärschlag kommt, zu einem wirklich substanziellen Militärschlag", hieß es. Dass es einen gezielten Schlag gegen die oberste Führung im Iran geben könnte, schließe er aber nicht aus.
Die Operation in Venezuela sei nicht vergleichbar mit dem Versuch, ein gesamtes Regime stürzen zu wollen, so Feichtinger. Und die Frage sei: "Gibt es einen Plan B für die Zeit danach?" In Sachen Grönland erklärte der Brigadier, es sei "aus sicherheitspolitischer Perspektive nicht nachvollziehbar", warum Trump Grönland unbedingt an die USA anschließen wolle. Es könnte aber "verlockend sein für jemanden, der sich hier so in den Blick auf die Landkarte verliebt hat".
Sollte Trump sich Grönland militärisch holen wollen, könne und werde ihn wohl niemand daran hindern, so Feichtinger. "Wenn, dann käme es wohl zu einem symbolischen Schuss in die Luft, um einfach völkerrechtlich zu dokumentieren, dass man hier dagegen ist. Aber ein militärischer Widerstand wäre absolut unzweckmäßig." Feichtinger merkte aber an: Europa könne auf den Schutz der Amerikaner "noch immer nicht verzichten", es wäre wohl nicht das Ende der Nato.