Es klingt verrückt, ist aber bittere Realität: Während in Grönland das Eis in Rekordtempo schmilzt, schwitzen wir in Europa unter immer extremeren Sommern. Der Grund: Die gewaltigen Mengen an Schmelzwasser stören im Nordatlantik die Meeresströmungen - und bringen damit das sensible Gleichgewicht zwischen Ozean und Atmosphäre aus dem Takt.
Was aus der Gletscherschmelze entsteht, sind stabile Hochdrucklagen, die über Mitteleuropa festhängen, Regen blockieren und für sengende Hitze sorgen. Statt Abkühlung durch das Eis erleben wir das Gegenteil: eine Hitzewelle nach der anderen, so Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.
Schon heuer zeigt sich, wie sich die Eisschmelze auswirkt. Der August brachte kaum Regen, dafür ausgedörrte Böden, niedrige Pegelstände in Flüssen und enorme Belastungen für die Landwirtschaft. Wenn es doch einmal kracht, entladen sich Gewitter mit voller Wucht - aufgeheizt durch eine Atmosphäre, die immer mehr Energie speichert.
Forscher schlagen bereits Alarm: Dieses Wetter-Muster könnte kein Einzelfall, sondern ein Vorgeschmack auf das kommende Jahrzehnt sein. Durch den Schmelzwassereintrag verlagern sich Drucksysteme dauerhaft - Europa drohen trockene, heiße Sommer am Fließband.
Was für Touristen nach Traumwetter klingt, stellt Städte, Bauern und Energieversorger vor gewaltige Herausforderungen. Hitzewellen könnten zum neuen Dauerzustand werden - angeheizt durch ein Phänomen, das auf den ersten Blick wie Abkühlung wirkt.
Fakt ist: Das Eis in Grönland schmilzt - und mit ihm kühlt auch Europas Sommerfrische ab. Nur eben nicht so, wie wir es bräuchten.