Tagelang lebte der Tatverdächtige Stefan S. nach der Tat im selben Haus wie seine tote Lebensgefährtin – nun kommen erstmals auch Worte aus der Familie des Opfers an die Öffentlichkeit.
Der gewaltsame Tod von Joyce P. hat Wilfersdorf – einem niederösterreichischen Ort im Bezirk Mistelbach mit 2.000 Einwohnern – tief erschüttert. Das tragische Ableben der aus Deutschland stammenden 36-Jährigen ist der zweite Femizid des Jahres. Während der geständige Lebensgefährte in Korneuburg in U-Haft sitzt, spricht die Großmutter der Getöteten zu den "Niederösterreichischen Nachrichten" über ihre Erinnerungen an ihre Enkelin.
Joyce P. soll am 5. Jänner nach einem Streit im gemeinsamen Wohnhaus in Wilfersdorf von ihrem 47-jährigen Lebensgefährten mit einem Seil erdrosselt worden sein. Nach mehreren Tagen soll der Mann den leblosen Körper aus dem Haus gebracht und in einem Erdkeller auf dem Grundstück versteckt haben – es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Tat flog erst Tage später auf, nachdem der Lebensgefährte einem Bekannten den Mord an seiner Partnerin gestand – am Telefon, wie es heißt. Der Bekannte erstattete daraufhin Dienstagabend Anzeige bei der Polizei. Diese raste sofort zum Schreckenshaus, fand dort den Verdächtigen vor, der die Tat gestand und die Beamten zur Leiche im Keller führte. Er wurde noch vor Ort festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft in Korneuburg.
Die Großmutter hatte zuletzt zu Silvester Kontakt mit ihrer Enkelin. "Joyce hat sich seit Silvester nicht mehr bei mir gemeldet", sagte sie laut "NÖN". Vom Tod der 36-Jährigen habe sie nicht durch die Polizei erfahren, sondern durch eine kurze Mitteilung der Mutter des Opfers. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich die Großmutter im deutschen Cuxhaven, der Heimat von Joyce, auf.
Von Gewalt in der Beziehung oder vermeintlichen Drogenproblemen ihrer Enkeltochter habe sie nichts bemerkt. "Ich habe mit ihrem Mann auch immer nett kommuniziert", schilderte sie gegenüber der Wochenzeitung. Warnsignale habe es für sie keine gegeben. "Sie hat mir nie geschrieben, dass er gewalttätig wäre", so die Großmutter.
Der Verlust trifft sie schwer. "Ich bin jetzt total erledigt", sagte sie den "NÖN". Besonders schmerzlich sei für sie, dass Joyce mehrere Jahre bei ihr gelebt habe. "Ich habe sie schließlich großgezogen", erklärte die Großmutter.
Unterdessen laufen die Ermittlungen weiter. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet, ein vorläufiges Ergebnis liegt noch nicht vor. Auch die Handydaten des Verdächtigen sollen nun ausgewertet werden. "Es ist schwer, nach so einer Tat beruhigende Worte zu finden. Man muss jetzt aber alles aufarbeiten", erklärt der Wilfersdorfer Bürgermeister Josef Tatzber (VP) im "Heute"-Gespräch.