Österreicherin schwer krank

Großer Wirbel um geschwärzte PVA-Unterlagen

Christina Seiberl (47) aus OÖ leidet schwer an ME/CFS. Die PVA erkennt ihre Berufsunfähigkeit nicht an, Teile des Gutachtens sind geschwärzt.
André Wilding
11.10.2026, 19:13
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Dreimal Pause machen, nur um sich die Zähne zu putzen: Für Christina Seiberl (47) aus Hirschbach im Mühlviertel sind selbst alltägliche Handgriffe eine enorme Belastung. Seit acht Jahren lebt die Oberösterreicherin laut "Kronen Zeitung" mit der schweren Erkrankung ME/CFS. Doch die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) hat ihre Berufsunfähigkeit nicht anerkannt.

Besonders umstritten: Große Teile eines Gutachtens, auf dem die Entscheidung beruht, wurden geschwärzt. Der Verein ChronischKrank erhebt schwere Vorwürfe.

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Schon zehn Minuten Stehen werden zur Qual

Auf den ersten Blick wirkt Christinas Haus ordentlich und sauber. Dabei schafft es die 47-Jährige nach eigenen Angaben gerade einmal, einmal im Monat zu putzen. "Zu mehr bin ich nicht in der Lage", erzählt sie im Gespräch mit der Tageszeitung.

Ihre körperlichen Grenzen bestimmen den gesamten Tagesablauf. Mehr als 2.000 Schritte schafft sie täglich nicht. In jedem Zimmer steht deshalb ein Hocker, damit sie sich zwischendurch hinsetzen kann.

Sogar das Ein- und Ausräumen des Geschirrspülers kostet sie viel Kraft. Steht sie zehn Minuten lang, beginnt sie zu zittern und ihr Puls steigt. "Während des Zähneputzens muss ich drei Pausen machen. Es tut mir leid, wie ich aussehe, ich habe seit zwei Wochen nicht mehr Haare gewaschen", sagt Christina zur "Krone".

Zusätzlich belasteten sie zuletzt schwere familiäre Ereignisse. "Der Tod meines Papas und dass daraufhin die Oma kollabiert ist, haben mich massiv überfordert, ich musste über einen langen Zeitraum meine Therapie unterbrechen", berichtet Christina.

PVA erkennt Berufsunfähigkeit nicht an

Trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen erhielt die Oberösterreicherin von der PVA einen negativen Bescheid. "Nach dem Ergebnis der vorgenommenen ärztlichen Begutachtung liegt Berufsunfähigkeit in Ihrem Fall nicht vor", heißt es darin. Der Verein ChronischKrank unterstützt Christina im Kampf um die Anerkennung ihrer Berufsunfähigkeit.

Besonders problematisch ist aus Sicht des Vereins, dass wesentliche Passagen des Gutachtens geschwärzt wurden. Dadurch sei für die Betroffene nicht nachvollziehbar, wie ihre Erkrankung beurteilt worden sei.

Verein erhebt schwere Vorwürfe

Jürgen Holzinger vom Verein ChronischKrank kritisiert das Vorgehen der PVA scharf.

"Es ist schockierend, wie die PVA hier vorgeht. Man bekommt einen negativen Bescheid und ist quasi völlig machtlos, weil wesentliche Teile geschwärzt sind und Betroffene so nicht wissen, was genau der Gutachter über ihre Krankheitsgeschichte beurteilt hat. Zudem wurde sie als Simulantin bezeichnet. Aus unserer Sicht haben die Gutachter der PVA keinerlei Ahnung über diese Erkrankungen", so Holzinger gegenüber der "Kronen Zeitung".

Der Vorwurf, Christina sei als Simulantin bezeichnet worden, stammt vom Verein. Eine Stellungnahme der PVA dazu liegt in den vorliegenden Angaben nicht vor.

Akteneinsicht würde sie tagelang belasten

Unterstützung erhält der Verein vom Steyrer Rechtsanwalt Hubert Niedermayr. Er kritisiert in der "Krone, dass Christina zwar persönlich Einsicht in ihren Akt nehmen könnte, dafür aber zur PVA nach Linz fahren müsste.

Für die schwer erkrankte Frau wäre schon diese Fahrt eine erhebliche Belastung:

"Den Betroffenen wird angeboten, persönlich Einsicht in den Akt zu nehmen. Frau Seiberl müsste deshalb zur PVA nach Linz fahren. Das wäre allerdings eine viel zu große Anstrengung. Sie wäre dann tagelang zu nichts mehr fähig. Was gesunde Menschen schaffen, ist dann oft nicht möglich, weil die Energie fehlt. So wird den Betroffenen praktisch nicht möglich gemacht, ihr Recht wahrzunehmen. Und das erlaubt ein Rechtsstaat auf keinen Fall."

Bereits 30.000 Euro für Therapien ausgegeben

Christina erhält derzeit rund 1.200 Euro Notstandshilfe. In den vergangenen acht Jahren hat sie nach eigenen Angaben etwa 30.000 Euro in Behandlungen investiert. Trotz des negativen Bescheids und ihrer schweren gesundheitlichen Probleme will sie weiter um die Anerkennung ihrer Einschränkungen kämpfen.

"Ich habe in den letzten acht Jahren rund 30.000 Euro in Therapien gesteckt. Aufgeben heißt für mich Schmerzen haben, dahinsiechen. Allein der Leidensdruck hält mich aufrecht", sagt die Oberösterreicherin zur "Krone".

Für Christina geht es nicht nur um einen Bescheid. Sie möchte, dass ihre Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen ernst genommen werden.

wil,11.10.2026, 19:13