Altbau und moderne Energietechnik müssen kein Widerspruch sein. Das soll derzeit ein Gründerzeithaus in der Iglaseegasse 37 in Döbling beweisen. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1908 und wird seit Mai umfassend saniert.
Dabei geht es nicht nur darum, die historische Bausubstanz samt Jugendstilelementen zu erhalten. Der Energieverbrauch soll deutlich reduziert und das Haus gleichzeitig von fossiler Energie unabhängig gemacht werden.
Herzstück der Sanierung ist ein Geothermie-System. Auf öffentlichem Grund werden vier Tiefenbohrungen durchgeführt und ein sogenanntes Anergienetz errichtet. Das Besondere: Auch das Nachbarhaus soll daran angeschlossen werden.
In den 13 Wohnungen ersetzen künftig eigene Wärmepumpen die bisherigen Gasthermen. Über das System werden die Wohnungen beheizt, mit Warmwasser versorgt und im Sommer gekühlt. Je nach Wohnung kommen dafür Heiz- und Kühldecken oder Fußbodenheizungen zum Einsatz. Auf dem Flachdach des Hoftrakts wird außerdem eine Photovoltaikanlage errichtet.
Gerade die Möglichkeit zur Kühlung soll das mehr als 100 Jahre alte Haus für heißere Sommer rüsten. "Es freut uns besonders, dass wir bei dem Projekt Iglaseegasse ein Konzept mit eigenen Wärmepumpen in jeder Wohnung umsetzen dürfen, diese sorgen jeweils über Deckenkühlpaneele in den Aufenthaltsräumen für die Kühlung der Wohnungen und machen damit das Gründerzeithaus fit für den Klimawandel", erklären die Planer Günther Trimmel und Isabelle Wall von Trimmel Wall Architekten.
Zusätzlich werden die hofseitigen Fassaden und Innenhöfe, die Feuermauer sowie das Flachdach des Hoftrakts gedämmt. Neue Wärmeschutzfenster und außenliegender Sonnenschutz an der südseitigen Fassade sollen ebenfalls verhindern, dass sich die Wohnungen im Sommer zu stark aufheizen. Das Flachdach wird zudem begrünt. Die letzten noch vorhandenen Kategorie-C-Wohnungen werden im Zuge der Arbeiten auf Kategorie A angehoben.
Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) besuchte nun die Baustelle: "Die Iglaseegasse 37 ist ein Musterbeispiel, was heute bereits möglich ist. Die Errichtung von Tiefensonden im öffentlichen Raum zur Gewinnung von Erdwärme ist nicht mehr nur bei der Errichtung von Neubauten eine Option, sondern stellt auch bei Wohnhaussanierungen in Gründerzeitvierteln eine sinnvolle und praktikable Alternative dar."
Der große Altbaubestand trage aus ihrer Sicht außerdem wesentlich zum leistbaren Wohnen in den historischen Wiener Grätzln bei. Das Döblinger Haus ist Teil der Sanierungsoffensive "Wir SAN Wien". Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Stadt bereits rund 100 geförderte Sanierungsprojekte fertiggestellt.
Dahinter stehen Gesamtbaukosten von rund 85 Millionen Euro. Die Förderung belief sich auf insgesamt 44 Millionen Euro – davon 33 Millionen Euro als Landeszuschüsse und elf Millionen Euro als Landesdarlehen. Insgesamt wurden damit in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 2.600 geförderte Wohnungen fertig saniert.
Und die nächsten Häuser sind bereits dran: Aktuell befinden sich in Wien 267 geförderte Wohnhaussanierungsprojekte in Bau. Auch der Beratungsbedarf ist groß. Die Sanierungsberatung "Hauskunft" des wohnfonds_wien führte im ersten Halbjahr mehr als 2.710 Beratungen durch.