Kaum ist die umstrittene Wiener Kultursteuer vom Tisch, beginnt angesichts der angespannten Budgetlage die Suche nach anderen Sparmöglichkeiten. Einen besonders weitreichenden Vorschlag brachte nun die grüne Gemeinderätin und Kultursprecherin Ursula Berner ins Spiel.
Wie die "Krone" berichtet, will Berner das Ronacher in der Wiener Innenstadt langfristig aus den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) ausgliedern. Statt zwei großen Musicalhäusern würde ihrer Ansicht nach eines genügen.
"Eine Bühne mit einer schönen Musicalproduktion reicht vollkommen", wird Berner von der "Krone" zitiert. Hintergrund sind die öffentlichen Zuschüsse für die Vereinigten Bühnen Wien. Nach Angaben der Zeitung erhielten die VBW 2025 insgesamt 57,5 Millionen Euro, heuer sollen es fünf Millionen Euro weniger sein. Für 2027 werden weitere Einschnitte erwartet.
Dabei laufen die beiden großen Musicalhäuser derzeit äußerst erfolgreich. Raimund Theater und Ronacher verfügen gemeinsam über rund 2.400 Plätze, die Auslastung soll bei nahezu 100 Prozent liegen.
Berner argumentiert laut Bericht jedoch, dass Musicals in anderen Städten teilweise ohne öffentliche Förderung auskommen und Gewinne erwirtschaften. Ihr gehe es um "Nachhaltigkeit und die langfristigen Ziele der VBW".
Komplett zusperren und leer stehen lassen möchte Berner das traditionsreiche Theater allerdings nicht. Das Ronacher könnte ihrer Vorstellung nach künftig für andere Produktionen vermietet werden – etwa für Kabarettveranstaltungen. Dadurch könnten die Vereinigten Bühnen zusätzliche Einnahmen erzielen.
Bei den VBW will man sich zu dem Vorstoß vorerst nicht äußern. Innerhalb der Grünen wird allerdings bereits deutlich auf Distanz gegangen. Klubobmann Georg Prack betonte gegenüber der "Krone", wichtig sei es, "die Finanzierung von Kultureinrichtungen und -angeboten auf sichere Beine zu stellen". Besonders kleinere Einrichtungen und Initiativen seien durch drohende Kürzungen gefährdet.
Der Vorschlag Berners ist damit keine offizielle Parteilinie der Wiener Grünen. Heftige Kritik kommt von der Wiener FPÖ. Gemeinderat Lukas Brucker bezeichnet den Vorstoß als "linke Schnapsidee der Sonderklasse". "Ausgerechnet die Grünen wollen die erfolgreichste Bühne Wiens zusperren. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen", so Brucker.
Die Diskussion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Wiener Musicalmarkt ohnehin verändert. Mit ATG Entertainment soll ein internationaler Konzern ein neues Großtheater mit rund 1.800 Sitzplätzen im Wiener Prater betreiben.
Das neue Musicaltheater entsteht auf dem früheren Areal der Olympia-Looping-Achterbahn und soll bereits im Herbst bzw. November 2027 mit Disneys "Der König der Löwen" eröffnet werden. Der Kartenvorverkauf soll noch 2026 beginnen.
Damit bekommen die Vereinigten Bühnen im Musicalgeschäft einen gewichtigen Konkurrenten. Stadt und Betreiber sprechen offiziell von "Kooperation statt Konkurrenz". Das zusätzliche Angebot soll mehr Besucher nach Wien bringen und damit auch den Kultur- und Tourismusstandort stärken.
Dass die Nachfrage nach Musicals derzeit groß ist, zeigen auch die Ticketzahlen. Für "Die Schöne und das Biest" im Raimund Theater wurden laut "Krone" bereits mehr als 120.000 Karten verkauft. Die Spielzeit wurde deshalb bis 27. Juni 2027 verlängert.