Nach dem Aus für den umstrittenen "Kultur-Euro" flammt nun die Diskussion um die geplante Erhöhung der Ortstaxe wieder neu auf. Schon heuer wurde die Touristensteuer im Sommer auf fünf Prozent erhöht, ab 1. Juli 2027 ist eine Anhebung auf acht Prozent geplant. Die höheren Einnahmen könnten auch dem Kulturbetrieb zugutekommen.
"Die Ortstaxe bringt Wien wichtige Einnahmen für Tourismus, Infrastruktur und Lebensqualität", erklärte Finanzstadträtin und Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SP) vor Kurzem. "2024 lagen die Einnahmen bei 41,1 Millionen Euro. Mit der schrittweisen Anpassung rechnen wir ab 2027 mit jährlichen Einnahmen von knapp 94 Millionen Euro. Dieses Geld fließt in die Qualität unserer Stadt und kommt Gästen ebenso zugute wie den Wienerinnen und Wienern."
Für die Wirtschaftskammer Wien (WKW) und die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) kommt die Abgagenerhöhrung dennoch "zur falschen Zeit". Die Vertreter fordern, die geplante Ortstaxen-Erhöhung auszusetzen. Als Grund für den Widerstand verweist die Branche auf aktuelle Hoteldaten. Laut "STR-Hotelbenchmark", der Daten von 183 Wiener Hotels mit insgesamt 32.087 Zimmern umfasst, habe sich die wirtschaftliche Lage im August gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.
Die durchschnittliche Auslastung sank laut WKW von 75,3 Prozent im August 2025 auf 74,1 Prozent im August 2026. Gleichzeitig ging der durchschnittlich erzielte Zimmerpreis von 115,60 auf 114,10 Euro zurück. Auch beim Erlös pro verfügbarem Zimmer zeigt die Kurve angeblich nach unten. Er sank von 87 auf 84,60 Euro (-2,8 Prozent).
"Dazu ist heuer auch noch ein Pauschalabzug auf die Berechnungsbasis weggefallen, unter'm Strich war damit die Erhöhung sogar noch mehr", so Felix Neutatz, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien. "Rekordnächtigungen dürfen nicht über sinkende Erlöse hinwegtäuschen. Die Ortstaxe noch einmal massiv anzuheben wäre falsch", warnt Neutatz.
"Entscheidend ist nicht, wie viele Menschen übernachten, sondern was am Ende des Tages in der Kasse bleibt. Derzeit sinken die Einnahmen, die Kosten steigen. Das engt den wirtschaftlichen Spielraum ein", sagt Alexander Ipp, Vizepräsident der Österreichischen Hotelvereinigung und ÖHV-Landesvorsitzender Wien.
Dass die Ortstaxe ohnehin vom Gast bezahlt werde, lässt die Branche als Argument nicht gelten. "Der Gast zahlt nicht jeden Preis", sagt Neutatz. WKW und ÖHV fordern deshalb, die für Juli 2027 vorgesehene Anhebung der Ortstaxe von 5 auf 8 Prozent auszusetzen. Zusätzlich sollen Einnahmen aus der Abgabe stärker touristischen Zwecken zugutekommen, etwa der Klima-Anpassung von Hotels und Gastronomie. Auch eine separate Ausweisung der Ortstaxe wird gefordert.