Grünes Licht für Kinderimpfung – "Der Nutzen überwiegt"

In den USA haben bereits 3,5 Millionen Kinder zwischen 5 und 11 Jahren den Impfstoff von Pfizer bekommen. 
In den USA haben bereits 3,5 Millionen Kinder zwischen 5 und 11 Jahren den Impfstoff von Pfizer bekommen. ANDREJ IVANOV / AFP / picturedesk.com
Die Impfung für 5- bis 11-Jährige soll heute zugelassen werden. Zwei Kinderärzte sprechen sich klar dafür aus. Die Facts zur Impfung

"Zu den 91 Prozent Wirksamkeit muss man noch ergänzen, dass das eigentlich ein besonders guter Wert ist. Weil diese Studie ja schon gemacht wurde, als die wesentlich aggressivere Delta-Variante vorherrschend war. Während die ersten Zulassungsstudien zum Pfizer-Impfstoff noch mit der Alpha-Variante und der ursprünglichen Variante gemacht wurden", erklärt der Wiener Kinderarzt Christoph Steininger im Ö1-Morgenjournal. Dieser Prozentzahl ist laut Hersteller die Wirksamkeit des Vakzins von Biontech/Pfizer für 5- bis 11-Jährige. Der Impfstoff soll heute von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für Kinder zugelassen werden. Im Unterschied zu Erwachsenen bekommen die Kleinen nur ein Drittel der Normaldosis. 

"Wir sehen ja leider auch schon Kinder auf Intensivstationen, die intensivpflichtig betreut werden müssen", sagt der Kinderarzt. "Ich werde meinen Sohn definitiv impfen lassen", ist sich der Mediziner sicher. Zwar könnten Nebenwirkungen auftreten, das Risiko für Kinder im Fall einer Corona-Infektion schwer zu erkranken, sei jedoch geringer, sagt der Mediziner. Abgeschlagenheit zählt mit 30 Prozent zu einer der häufigsten Nebenwirkungen. Fieber trat laut Steininger mit fünf bis zehn Prozent eher selten auf. Weitere zehn Prozent der Kinder aus der Zulassungsstudie hatten mit anderen Nebenwirkungen zu tun. 

Bereits Daten von 3,5 Millionen Kindern in den USA bekannt

Ein klares Bekenntnis zur Impfung gibt auch Volker Strenger, Pädiater an der Meduni Graz, in einem Radiointerview im Morgenjournal ab. Das Verhältnis zwischen Risiko und Erkrankung sei dennoch anders zu bewerten. Im Fall von Erkrankungen bekämen es Ärzte bei ihren kleinen Patienten immer wieder mit Komplikationen zu tun. "So, dass bei einer Impfung, die aus derzeitiger sehr sicher ist, der Benefit überwiegt", so der Steirer. 

Die USA impfen bereits seit längerem die 5-11-Jährigen. Dort sind bereits mehr als 3,5 Millionen einmal geimpft worden. Die oft zitierte Herzmuskelentzündung "ist auch dort noch nicht in einem Ausmaß beobachtet worden, dass irgendwie beunruhigend wäre", fährt der Experte fort. Die Daten aus den USA zeigten vielmehr, dass der Pfizer-Impfstoff ein "sehr sicheres" Vakzin für Kinder in diesem Alter sei. 

Pochen auf Aufklärung

Strenger hält zudem fest: "Wenn man Eltern aufklärt, wird es für die meisten Eltern ein gutes Argument für die Impfung sein." Wie im Fall der Stiche für Erwachesene betont Strenger den Langzeiteffekt. "Eine Impfung bei Kindern, würde in den nächsten Wochen noch nichts sichtbares im Infektionsgeschehen bringen. Aber dann natürlich in weiterer Folge wird man einen Rückgang der Infektionszahlen sehen." Auch Long-Covid bei Kindern könne durch das Jaukerl eingebremst werden, meint der Experte. 

In Wien und Oberösterreich wird der Impfstoff an Kinder unter zwölf Jahren seit kurzem bereits Off-Label verabreicht. 

Was bedeutet Off-Label-Impfung? Im Fall der Corona-Impfungen heißt das, dass die EMA (Europäische Medizin Agentur) die Impfung für Kinder unter 12 noch nicht zugelassen hat. Off-Label-Use ist grundsätzlich nicht verboten, bedarf jedoch erhöhter Sorgfalts- und besonderer Aufklärungspflichten.

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