Alle sind nackt, es ist sehr eng und heiß. Die meisten kennen sich von regelmäßigen, gemeinsamen Treffen. Auf den unmissverständlichen Ruf "Macht bitte Platz für die Regina!" folgt schnell ein flapsiges "Sie kann sich gerne auf meinen Schoß setzen."
Körper jeder Prägung zeigen sich hier ohne Scham und ohne Berührungsangst, die Stimmung ist am Siedepunkt. Jetzt wird gleich gemeinsam geschwitzt. Der Aufguss beginnt, ein leidenschaftlicher Stammgast orchestriert das hochtemperaturige Spektakel. Es ist Freitagnachmittag in einer beliebten Wiener Sauna. Obwohl die Augen auf Wanderschaft gehen und verstohlen einige der Teilnehmer taxieren, geht es hier absolut nicht um Sex. Und gerade deshalb ist es so entspannend.
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Man hat seine Hüllen fallen gelassen und zeigt sich so, wie man ist. Bauch, Haare, Falten, Muskeln, Narben, Schwerkraft, Schweiß – alles trifft in diesem zutiefst menschlichen Mikrokosmos zusammen, völlig unverstellt. Unter dem Saunahut sind alle gleich. Während die selbsternannte Aufguss-Königin lustvoll die heißen Steine begießt und das Handtuch energisch in alle Richtungen schwingt, wird unter gelegentlichem Stöhnen alles rausgelassen – Stress, Ärger, Sorgen. Das kann nur Sauna, also fast.