Im Gespräch mit "Heute" forderte Unternehmer Kari Ochsner "endlich große Reformen und nicht nur kleine Reförmchen" für den Wirtschaftsstandort Österreich. Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) in Niederösterreich sprach sich etwa für ein höheres Pensionsantrittsalter aus. Es sei "zumutbar, dass wir schrittweise zwei oder drei Jahre länger arbeiten", so Ochsner.
Ausgenommen sein sollen "körperlich besonders belastende Berufe". "Aber der Großteil der Gesellschaft muss zur Kenntnis nehmen, dass wir länger leben, länger gesund sind und daher auch länger arbeiten müssen", so Ochsner.
Gleichzeitig fordert der Industrielle eine Erhöhung der Arbeitszeit. "Warum weniger arbeiten? Arbeiten wir doch eine Stunde mehr", erklärt er seine Forderung als Gegenposition auf die vom scheidenden Vizekanzler Andreas Babler im Wahlkampf ins Spiel gebrachte Forderung nach einer 32-Stunden-Woche. "Wenn jeder am Tag eine Viertelstunde länger arbeitet, wäre das schon etwas. Oder wir verzichten auf den einen oder anderen Feiertag. In einer Zeit, in der wir unser Land wieder nach vorn bringen müssen, halte ich das für zumutbar", so Ochsner im "Heute"-Talk.
Die Reaktion der Gewerkschaft ließ nicht lange auf sich warten. Am Dienstagvormittag polterte die Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) Barbara Teiber über die "Gruselvorschläge" Ochsners in einer Aussendung und erklärte: "Hände weg von Feiertagen, Pensionen und Gesundheitsversorgung".
Ochsner "dürfte entgangen sein, dass Halloween vorbei ist, darum bringt er wohl Vorschläge aus dem Gruselkabinett", so die Gewerkschaftsbossin. Die Industriellenvereinigung solle ihren Angriff auf die Rechte von Beschäftigten sofort einstellen.
Wer wirklich 'das Land nach vorn bringen' wolle, müsse in die Produktivität investieren: in Netze, in Aus- und Weiterbildung, in Planungssicherheit. "Mehr Arbeiten für weniger Geld ist das falsche Rezept aus der Mottenkiste", so Teibers Urteil.
Teiber verweist darauf, dass die Realität am Arbeitsmarkt sei, dass viele Menschen ab 55 gar keinen Job mehr finden oder gesundheitlich durchhalten würden. Vielmehr komme Österreich nach vorne, "wenn wir klug investieren, Fachkräfte qualifizieren und Rahmenbedingungen verbessern".
Plumpe Angriffe auf wohlerworbene Rechte zaubern vielleicht Industriekapitänen in Ochsners Zielgruppe ein Lächeln auf die Lippen, bringen dem Standort aber nichts", so die abschließende Wortmeldung an die IV.