Wer zu Essiggurken greift, glaubt oft an ein heimisches Produkt. Laut einer aktuellen Erhebung von "Wirtschaften am Land" ist das aber häufig nicht der Fall. Gemeinsam mit efko und der Landwirtschaftskammer Oberösterreich wurden Anfang Juni 98 Essiggurkenprodukte im Lebensmittelhandel überprüft – mit einem ernüchternden Ergebnis.
Vor allem bei den Eigenmarken der Supermärkte fehlt laut der Untersuchung die Transparenz. Bei 31 von 40 Eigenmarken war die Herkunft der Gurken auf dem Etikett nicht angegeben. Auf Nachfrage nannten die Handelsketten teils bis zu 15 mögliche Herkunftsländer.
Besonders auffällig: Ein Viertel der Eigenmarken enthält Gurken aus Indien. Österreichische Gurken finden sich dagegen nur in fünf der 40 untersuchten Eigenmarken.
"Die Konsumenten erwarten sich heimische Gurkerl, bekommen jedoch oft unwissentlich Gurken aus Indien", warnt Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land. Wer gezielt österreichische Produkte kaufen wolle, müsse derzeit zu Produkten greifen, bei denen die Herkunft ausdrücklich gekennzeichnet sei.
Die Organisationen sehen den steigenden Importdruck als ernsthafte Gefahr für den Produktionsstandort Österreich. Gurken aus Ländern wie Indien könnten deutlich günstiger produziert werden, während heimische Bauern mit steigenden Kosten für Personal, Energie und Betriebsmittel kämpfen.
Auch efko-Geschäftsführer Thomas Krahofer fordert deshalb faire Wettbewerbsbedingungen. Heimische Lebensmittel würden nach hohen Qualitätsstandards hergestellt, sorgten für regionale Wertschöpfung und sicherten Arbeitsplätze.
Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich verweist zusätzlich auf die hohen Standards bei der heimischen Produktion. Bei Importware aus Ländern wie Indien sei für Konsumenten oft nicht nachvollziehbar, ob vergleichbare Vorgaben eingehalten würden.
Besonders wichtig sei der Gurkenanbau auch für den Arbeitsmarkt. Einlegegurken werden überwiegend händisch geerntet und zählen zu den arbeitsintensivsten Kulturen. Laut Landwirtschaftskammer hängen mehr als 1.000 direkte Arbeitsplätze im oberösterreichischen Gemüsebau sowie rund 1.500 weitere Jobs in nachgelagerten Bereichen davon ab.
Die zentrale Forderung der Branchenvertreter richtet sich an den Handel: Die Herkunft der Gurken soll auf allen Produkten klar und transparent ausgewiesen werden, damit Konsumenten bewusst zu österreichischer Ware greifen können.