In der Nacht zum Montag starteten Cyberkriminelle einen Angriff auf die Metzgerei Witt in Windischeschenbach (Landkreis Neustadt / Bayern).
Sie verschafften sich Zugang zu den Fernsteuerungs- und Überwachungssystemen und manipulierten insgesamt 30 Regler. Zehn Kühlräume waren betroffen, 15 blieben verschont.
Gegen 3 Uhr begann der Angriff, kurz bevor die Mitarbeiter ihre Frühschicht antraten. Als sie die viel zu hohen Temperaturen bemerkten, alarmierten sie sofort den Inhaber Charly Witt.
Die Temperaturen erreichten bis zu 150 Grad, schreibt die Polizei Augsburg in einer Aussendung. "Es hat dann angefangen, alles zu knistern und zu knacken", schildert Witt gegenüber News5. Die Manipulation wurde rechtzeitig entdeckt, sodass ein noch größerer Schaden verhindert werden konnte. Die Mitarbeiter leerten die betroffenen Räume und lagerten die Ware auf Lkw und in andere Kühlräume um.
Die Kriminalpolizei Weiden ermittelt wegen Datenveränderung, Computersabotage und Sachbeschädigung. Der Angriff war kein Einzelfall: Auch in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Schweden, Estland, Italien und Irland wurden ähnliche Attacken auf Kühlsysteme gemeldet.
In Österreich sind laut dem Bundesamt für Cybersicherheit bisher keine Fälle bekannt. Die Lage werde aber laufend beobachtet. Heimische Supermarktketten wie Billa und Hofer rüsten ihre IT-Sicherheit auf.
Die Kriminalpolizei empfiehlt Unternehmen, Hard- und Software regelmäßig zu aktualisieren und die IT-Infrastruktur durch qualifiziertes Fachpersonal warten zu lassen. Benutzerkonten und Zugänge sollten mit starken, individuellen Passwörtern sowie möglichst mit Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt werden. Externe Zugriffe und Fernzugänge sollten auf das notwendige Maß beschränkt und ausreichend abgesichert sein.
Außerdem rät die Polizei zu regelmäßigen, getrennt vom Netzwerk aufbewahrten Datensicherungen und zur Schulung der Beschäftigten im Umgang mit Phishing-Mails, verdächtigen Anhängen und anderen Angriffsmethoden. Unternehmen sollten zudem ein Notfallkonzept mit den unmittelbar notwendigen Maßnahmen und wichtigen Ansprechpartnern erstellen.
Den Schaden beziffert Inhaber Witt auf einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich – ohne Ersatzteile, Reparaturen und vernichtete Ware. "Wäre das einen Tag früher gewesen, dann wäre wahrscheinlich die ganze Metzgerei abgebrannt", sagt er.