In einem Edeka-Markt im niederbayerischen Reisbach (D) ist es in der Nacht auf Montag zu einem folgenschweren Zwischenfall gekommen. Unbekannte verschafften sich offenbar aus der Ferne Zugang zur Technik des Geschäfts und veränderten die Temperatureinstellungen.
Laut den Betreibern wurden Kühltruhen, Kühlschränke und Frischetheken auf 50 Grad Celsius eingestellt. Für zahlreiche Lebensmittel hatte das verheerende Folgen – "Heute" berichtete.
Besonders betroffen waren leicht verderbliche Produkte wie Fleisch, Wurst und Milchprodukte. Auch die Tiefkühlabteilung blieb von der Manipulation nicht verschont.
Helfer einer Lebensmittel-Verteilbörse versuchten, noch genießbare Waren im Rahmen von Foodsharing vor der Entsorgung zu bewahren. Dennoch musste der Supermarkt einen großen Teil seiner Lebensmittel wegwerfen.
Zunächst war noch unklar, ob tatsächlich ein Cyberangriff hinter dem Vorfall steckte. Die Polizei bestätigte zwar den Zwischenfall, konnte eine Attacke auf das IT-System aber zunächst nicht nachweisen.
Mittlerweile steht laut Polizei fest, dass es einen unerlaubten Fernzugriff auf die IT eines Verbrauchermarktes im Landkreis Dingolfing-Landau gegeben hat. Die Ermittlungen führt das Fachkommissariat für Digitale Forensik Cybercrime der Kriminalpolizei Landshut. Untersucht werden unter anderem der Verdacht des Ausspähens von Daten und der Datenveränderung.
Betreiberin Christina Ernst erklärte, dass von ihren insgesamt elf Supermärkten nur die Filiale in Reisbach betroffen gewesen sei. Nach ihren Angaben wurden bei dem Zugriff auch die Warnfunktionen der Kühltechnik außer Kraft gesetzt. Als Konsequenz trennte der Betrieb die Anlagen vom Internet.
Der Fall in Bayern ist nicht der einzige seiner Art. In den vergangenen Wochen wurden auch aus anderen europäischen Ländern Manipulationen an Kühl- und Gefriersystemen von Supermärkten bekannt.
Entsprechende Vorfälle gab es unter anderem in Frankreich, Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Italien, Portugal und den Niederlanden. Auch dort wurden Temperaturen verändert oder Kühlfunktionen abgeschaltet. Die Folge waren erhebliche Lebensmittelverluste.
Ob die Vorfälle miteinander in Verbindung stehen, ist allerdings offen. Einen nachgewiesenen Zusammenhang mit dem Fall in Reisbach gibt es bislang nicht.
Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt Betrieben Steuerungssysteme nicht direkt über das Internet erreichbar zu machen. Für notwendige Fernwartungen sollten gesicherte VPN-Verbindungen und eine Mehr-Faktor-Authentifizierung eingesetzt werden.
Regelmäßige Softwareupdates und das rasche Schließen bekannter Sicherheitslücken sollen das Risiko zusätzlich senken.