Durch den Duft von warmen Paradeisern und gebratenen Paprika gelockt, entdeckte die Wiener Gefängnisseelsorgerin Daniela Schwimbersky, dass Häftlinge in ihren Zellen leidenschaftlich gerne kochen. "Es ist meine Freiheit zu entscheiden, was auf den Teller kommt", erklärte ihr ein Insasse der Gefängnisverpflegung zum Trotz.
Aus dieser Begegnung entstand ihr Häfn-Kochbuch "Taste of Prison", in dem auch Häftlinge mit Gedichten und Gedanken zu Wort kommen. Die Zutaten der Speisen sind begrenzt, die Kreativität aber grenzenlos: Auf einem einzigen A3-Blatt stehen sämtliche Lebensmittel, die Häftlinge auf eigene Kosten bei der Ausspeise bestellen können. Eier, Mehl oder Pfeffer? Fehlanzeige! Dennoch lässt sich aus Striezel, Kaffee und Vanillejoghurt ein ausgezeichnetes Häfn-Tiramisu kredenzen – "Heute" kennt das ganze Rezept.
So gelingt das Häfn-Tiramisu
Zutaten:
1 Striezel
5 EL Löskaffee
250 ml Wasser oder Milch
4 Becher Sauerrahm (à 250 g)
400 g Vanillejoghurt
8 EL Zucker
½ Zitrone
2 Tafeln Vollmilchschokolade
100 g Nutella
2 EL Butter oder Öl
Zubereitung:
Striezel in fingerdicke Scheiben schneiden, eine rechteckige Form damit auslegen und mit der Hälfte des angerührten Kaffees beträufeln. Sauerrahm, Vanillejoghurt, Zucker und Zitronensaft zu einer Creme verrühren. Die Hälfte davon auf dem Striezel verteilen, eine zweite Schicht Striezel darauflegen, mit Kaffee beträufeln und die restliche Creme darüberstreichen. Schokolade, Nutella und Butter schmelzen – notfalls auch in der Kaffeemaschine – und darüber verteilen. Anschließend rund sechs Stunden kalt stellen.
Toast und Berner Würstel lassen sich mit genug Geduld und Alufolie auf der Warmhalteplatte der Kaffeemaschine knusprig brutzeln und alle Zutaten kann man auch in Wasserkübeln kühlen. Beim Zerkleinern von Knoblauch wird man mit einem stumpfen Buttermesser zwar "zum Buddha", wie ein Insasse scherzt – aber Zeit haben Häftlinge ja zumeist reichlich.
Das Buch zum Häfn-Essen
"Taste of Prison – Rezepte und Geschichten aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt" wurde von Gefängnisseelsorgerin Daniela Schwimbersky und Cornelia Richter herausgegeben. Das im Verlag Berger erschienene Kochbuch vereint außergewöhnliche Rezepte mit persönlichen Geschichten von Häftlingen und Einblicken in den Gefängnisalltag. Der Reinerlös unterstützt Sprachlernangebote für Insassen sowie das Gewaltpräventionsprojekt "StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt". Das Buch ist im Handel erhältlich.
"Man glaubt ja gar nicht, was man aus so kleinen Dosenfischchen machen kann", lacht Autorin Schwimbersky, die alle Speisen verkostet "und für gut befunden" hat. Auch die Justiz sieht einen Nutzen in der kulinarischen Betätigung der Belegschaft: "Wenn man Häftlinge nicht beschäftigt, beschäftigen sie uns", brachte es der Präsident des Wiener Landesgerichts Friedrich Forsthuber bei der Buchpräsentation im großen Schwurgerichtssaal auf den Punkt. Und selbst im Häf’n gilt demnach: "Schmeckt nicht gibt’s nicht".