Am dunklen Gang des Hochsicherheitstraktes der Justizanstalt Josefstadt – auch Keller genannt – starb am 27. August des Vorjahres Häftling Nummer 197645. Am Tag zuvor sollte der Familienvater, der seit 8 Jahren in Salzburg als Hilfskoch arbeitete, nach Großbritannien abgeschoben werden. Davor soll der irische Staatsbürger so panische Angst gehabt haben, dass er sich eine Überdosis Medikamente verabreicht haben könnte – wir berichteten.
Bereits am Weg zum Flughafen habe er benommen und apathisch gewirkt, schließlich brach er auf dem Airport-Gelände vor Beamten zusammen und kam für eine Nacht in ein Spital in Niederösterreich. Am nächsten Tag hätte er eigentlich aufs Krankenrevier der JA Josefstadt kommen sollen. Wegen der knappen Personalsituation – eine Bewachung hätte fünf Beamte gebunden – entschied man sich offenbar stattdessen für die vorübergehende Unterbringung in der Justizanstalt Josefstadt, bis ein weiterer Abschiebeversuch hätte gestartet werden können.
Dazu kam es nie: Laut internen Protokollen soll der Mann sich geweigert haben aufzustehen, habe mehrmals versucht, "aus dem Rollstuhl zu rutschen". Auch deshalb wurde er noch im Fahrzeug an Händen, Füßen und am Kopf fixiert, bewegte sich nach Angaben von Beteiligten dennoch "ruckartig nach vorn". Die Gelenke waren von den Fesseln bereits blutunterlaufen und wund.
In der JA Josefstadt ließ er sich nach Darstellung der Justizwache zu Boden fallen, sei aber "ansprechbar" gewesen. Nackt und in stabiler Seitenlage ließ man den Häftling in seiner Zelle zurück, ehe er dort erneut kollabierte.
Suizidgedanken? Es gibt Hilfe!
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen oder entsprechende Versuche – außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.
Wenn du unter Suizidgedanken, Depressionen oder anderen Ausnahmesituationen leidest, bietet die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 von 0-24 Uhr kostenlos und anonym schnelle Unterstützung.
Weitere Ansprechstellen für Betroffene:
Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring - Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112
Schließlich kam für ihn jede Hilfe zu spät, am langen Gang der Justizanstalt hörte sein Herz auf zu schlagen. Fast zynisch klingt der Entlassungsgrund in den Akten: "Tod". Nun steht der Verdacht im Raum, dass das tragische Ende des im Februar 2025 Festgenommenen hätte verhindert werden können.
Wie erst kürzlich bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Korneuburg wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und des Missbrauchs der Amtsgewalt gegen alle am Vorfall Beteiligten – darunter auch Mitarbeiter anderer Justizanstalten sowie eines niederösterreichischen Krankenhauses.
Prominente Verteidiger, die in der Causa vertreten, weisen die Vorwürfe allesamt entschieden zurück. "Das Ermittlungsverfahren hat meine Mandanten bereits vollständig entlastet", erklärte Star-Anwalt Philipp Wolm. Tatsächlich kann laut Gutachten den Beamten "nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" ein Fehlverhalten vorgeworfen werden.