Traum geplatzt

Häuser verkauft! Kreuzfahrt-Rentner plötzlich obdachlos

Sie verkauften ihre Häuser und investierten ihr Erspartes in ein Leben auf See. Jetzt stehen Kreuzfahrt-Rentner in Kambodscha ohne Zuhause da.
29.10.2026, 13:12
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Sie hatten ihre Häuser verkauft, ihre Ersparnisse investiert und sich auf einen Lebensabend auf hoher See gefreut. Doch für zahlreiche Bewohner des Kreuzfahrtschiffs "MV Odyssey" ist dieser Traum zum Albtraum geworden.

Nach dem abrupten Ende der Weltreise stehen rund 200 Passagiere in Kambodscha vor einer ungewissen Zukunft. Einige haben nicht einmal mehr ein eigenes Zuhause. Besonders bitter: Viele der Betroffenen sind Pensionisten, die ihre bisherige Existenz aufgegeben hatten, um dauerhaft auf dem Schiff zu leben.

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Nur sieben Stunden zum Packen

Am Dienstag (27. Oktober) kam für die Bewohner der Schock. Im kambodschanischen Hafen Sihanoukville erfuhren sie am Morgen, dass sie die "Odyssey" noch am selben Tag verlassen müssen.

Nur rund sieben Stunden blieben ihnen, um ihre persönlichen Gegenstände zusammenzupacken und sich eine Unterkunft zu suchen. Einige flogen bereits aus Kambodscha aus, andere kamen vorübergehend in Hotels unter.

Der stellvertretende Provinzgouverneur Long Dimanche schilderte die dramatischen Folgen: Die plötzliche Anordnung habe zahlreiche Pensionisten und Menschen, die von unterwegs arbeiten, Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt obdachlos gemacht.

Frau kaufte Kabine für 15 Jahre

Für die Australierin Frances Paroissien (78) sollte das Schiff zum dauerhaften Zuhause werden. Bereits vor zwei Jahren erzählte sie dem Kreuzfahrtportal "Cruise Passenger", dass sie eine Kabine für 15 Jahre erworben habe.

An Bord wollte sie ihren Lebensabend verbringen. Unterkunft, Verpflegung, Reinigung und medizinische Versorgung sollten Teil ihres neuen Alltags sein. Die Alternative, allein in ihrer Wohnung zu sitzen oder später in einem Pflegeheim zu leben, erschien ihr weit weniger attraktiv.

Auch die US-Amerikanerin Carol Larson (69) setzte auf das ungewöhnliche Wohnmodell. Nach eigenen Angaben zahlte sie 120.000 Dollar für eine Kabine, dazu kamen laufende monatliche Gebühren. Ihr Wohnrecht sollte gelten, solange das Schiff in Betrieb blieb.

Paar verkaufte sogar Unternehmen

Wie viel Geld manche Bewohner in ihren Traum investiert haben, zeigen weitere Schicksale. Lanette Canen und Johan Bodin verkauften laut der britischen Zeitung "The Independent" sogar ein Unternehmen, um eine Kabine für 100.000 Dollar zu erwerben. Zusätzlich fielen monatlich 3.500 Dollar an.

Randy Cassingham und seine Frau Kit sollen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP rund eine Million Dollar in das Leben auf der "Odyssey" investiert haben. Die Reise sollte für sie mindestens 15 Jahre dauern.

Ein anderer Bewohner, Pensionist Benjamin Schatz, schilderte gegenüber "CBS News" seinen Schock. Manche Passagiere hätten nun weder ein Zuhause noch größere finanzielle Reserven und wüssten nicht, wie es weitergehen solle.

Betreiber plant Insolvenz

Hinter dem Ende der Weltreise stehen laut der US-Firma Villa Vie Residences massiv gestiegene Treibstoffkosten. Diese hätten sich pro Kabine von durchschnittlich 1.800 auf schätzungsweise 6.000 bis 8.000 Dollar monatlich erhöht.

Firmenchef Mikael Petterson erklärte gegenüber "CBS News", die monatlichen Gesamtausgaben seien von rund 400.000 auf zwei Millionen Dollar geklettert.

Der Betreiber plant deshalb ein Insolvenzverfahren nach US-Recht. Gleichzeitig bemühe sich die Firma nach eigenen Angaben um vorübergehende Unterkünfte für die betroffenen Bewohner.

Dürfen die Bewohner jemals zurück?

Die "Odyssey" soll am Samstag (31. Oktober) Treibstoff aufnehmen und Kambodscha verlassen. Wohin das Schiff anschließend fährt und ob die früheren Bewohner wieder an Bord dürfen, ist derzeit offen.

Für die Passagiere geht es längst um mehr als eine abgebrochene Reise. Sie müssen klären, wo sie künftig leben können und was aus dem Geld wird, das sie für ihre Kabinen bezahlt haben. Aus dem geplanten Lebensabend auf hoher See ist für manche Pensionisten eine existenzielle Krise geworden.

red, 29.10.2026, 13:12
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